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Heute (19. März) ist "Globaler Klimastreik": Weltweit gehen Menschen auf die Straße und fordern mehr Klimaschutz. Auch in Deutschland. Die Klimabilanz fällt durch die Pandemie zwar weniger schlimm aus, aber einen echten Wandel gibt es nicht, so Carla Reemtsma von "Fridays for Future". Die Politik wolle zurück zur "Normalität", die sei aber längst krisenhaft.

Die Aktion "Globaler Klimastreik" gibt es seit 2019. Diesmal wird der Streiktag durch die anhaltende Coronapandemie angepasst, sagt Carla Reemtsma. Sie ist Sprecherin der deutschen "Fridays for Future"-Bewegung.

Es gibt Fahrraddemos, Kundgebungen mit Abstandsregeln und kleinere Kunst-Aktionen. Zusätzlich zu dem, was im öffentlichen Raum stattfindet, gibt es mehr im Netz. Auf einer digitalen Streikkarte können sich Interessierte mit Fotos eintragen. Oder es gibt auch einen Live-Stream mit Musik und Reden.

Der globale Streik fürs Klima geht weiter

Dass Deutschland 2020 sein Klimaziel erreicht hat, ist für Carla Reemtsma kein Grund zur Freude. Sie findet, dass das Klimaziel, das sich Deutschland gesetzt hat, nicht ausreicht, um die Forderungen aus dem Pariser Klimaabkommen einzuhalten. Aber vor allem sei die Klimabilanz 2020 auf die Einschränkungen durch Corona zurückzuführen. "Und nicht auf strukturellen politischen Wandel, den es so dringend benötigt", sagt Carla Reemtsma.

"Das Klimaziel 2020 wurde nur eingehalten auf Grund der pandemiebedingten Einschränkungen."
Carla Reemtsma, "Fridays for Future"

In der Politik werde mittlerweile viel über Klimaschutz geredet, aber es gäbe keinen echten Wandel. Der beschlossene Kohleausstieg 2038 sei zum Beispiel viel zu spät. Im Rahmen der Konjunkturpakete wurden Milliarden investiert. "Aber vor allen Dingen auch in fossile Technologien", kritisiert Carla Reemtsma. "Wir haben wochenlang über eine mögliche Abwrackprämie auf Verbrenner gesprochen."

Aber es brauche andere Maßnahmen. "Fridays for Future" fordert:

  • schnellen Ausbau der Erneuerbaren Energien
  • schnelles Aus für Verbrenner im Verkehr
  • Förderung des öffentlichen Nahverkehrs
  • bessere Fahrradinfrastruktur

Neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien, braucht es eine echte Verkehrswende, so Carla Reemtsma. "In 20 Jahren sind die Emissionen nicht gesunken."

Verkehrswende statt Autobahnen

Einzelne Städte und Kommunen machten Fortschritte, aber auf der Bundesebene sieht sie keinen Wandel. Vor allem nicht beim Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. "Wir haben einen Verkehrswegeplan, der vor allen Dingen den Neubau von vielen, vielen Autobahnen vorsieht", sagt Carla Reemtsma. "Obwohl klar ist, das ist nicht das 21. Jahrhundert und die Zukunft."

Die Politik plane die Zeit nach der Pandemie und wolle schnell zurück zu einer vermeintlichen Normalität. Die Wirtschaft soll wieder in Schwung kommen. Zugleich signalisiere die Politik: "Wir haben kein Geld mehr für Klimaschutz", sagt Carla Reemtsma. Aber: "Die beste Krisen-Prävention und Maßnahmen für soziale Gerechtigkeit sind eben auch Klimaschutzmaßnahmen."

"Die Pandemie zeigt, dass der Status quo schon Krise ist."
Carla Reemtsma, "Fridays for Future"

Außerdem gibt es kein einfaches Zurück und alles ist wieder gut. Viele Probleme seien schon lange vor der Pandemie da gewesen. Ein Zurück zur Normalität sei trügerisch. "Die Normalität war schon Krise", sagt Carla Reemtsma.