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Aller Katastrophen zum Trotz - Japaner scheinen nie die Hoffnung zu verlieren. Ihr Geheimrezept: eine mutierte Echse mit Superkräften.

Ein Erdbeben. Ein Tsunami. Ein Atomunfall. Zum dritten Mal jährt sich in diesen Tagen Katastrophe von Fukushima. Und wenn wir uns zurückerinnern: Die Japaner sind aus unserer Sicht sehr gelassen mit der Katastrophe von Fukushima umgegangen – und tun das noch heute. 267.000 Menschen leben immer noch in containerähnlichen Behelfsgebäuden oder anderen vorübergehenden Unterkünften.

Wie schaffen es die Japaner, aller Katastrophen zum Trotz, nie die Hoffnung zu verlieren? Eine Antwort auf diese Frage kann man im Kino finden. Das sagt zumindest der Filmwissenschaftler Jörg Buttgereit.

"Wer die Gelassenheit der Japaner im Umgang mit Katastrophen verstehen will, der muss sich japanische Katastrophenfilme, vor allem Godzilla-Filme, anschauen."
Jörg Buttgereit, Filmwissenschaftler

Buttgereit selbst kann sich noch genau erinnern, wie ihn die Bilder aus Japan vor drei Jahren an seine Lieblings-Monsterfilme erinnert haben. Die Ungeheuer aus dem Godzilla-Universum seien immer schon metaphorische Wesen gewesen, die den Japanern einen anderen Umgang mit den Katastrophen erlaubten.

Anspielung auf die Atombombe

Die ersten Godzilla-Filme sind Buttgereits Meinung nach dabei ganz klar eine Anspielung auf die Atombombenabwürfe auf Hiroschima und Nagasaki . Im Laufe der Zeit seien diese Kaijūs – die fremdartigen Kreaturen – immer wieder umgedeutet worden. Ihre wichtigsten Merkmale: Sie sind groß, sie sind gewaltig und kommen in den Filmen nie ums Leben. Der japanischen Selbstverteidigungsarmee sind sie grundsätzlich überlegen.

Aus diesem Grund sei Godzilla für die Japaner auch eine Kreatur, die nicht besiegt werden soll, sondern mit der man sich arrangiere. Nachdem die Arbeit getan ist, zieht sich Godzilla wieder ins Meer zurück – da wo er herkommt. Zwischendurch lädt er sich gerne an einem Atomkraftwerk mit neuer Radioaktivität auf.

"Tsunamis gab es schon oft – und Godzilla hat schon oft Wellen an Land geschickt.“
Jörg Buttgereit, Filmwissenschaftler

Bleibt die Frage, wie sich die traumatischen Erfahrungen mit Fukuschima in der japanischen Kultur niederschlagen werden. Godzialla kann den Japanern dabei nicht zur Hilfe eilen. Die Lizenzen für das Monster wurden gerade wieder nach Amerika verkauft. Filmisch wurde das Trauma daher eher in Dokumentation oder Familiendramen verarbeitet. Allerdings sei auch klar: Japan brauche eine gewisse Zeit, um unbefangener mit der Katastrophe umzugehen.