Die Überreste einer ganzen Stadt haben Archäologen in Ägypten nun im Wüstensand entdeckt. Es handelt sich dabei um die Goldene Stadt des Pharaos Amenophis III. Der Fund zählt neben der Ausgrabung des Tutanchamun zu den wichtigsten überhaupt. Vor allem, weil die Stadt noch sehr gut erhalten ist.

3.400 Jahre lang lag die Goldene Stadt unter Sand begraben. Jetzt haben Archäologen sie entdeckt und damit einen der wichtigsten Funde in Ägypten überhaupt. Trotz der vielen Jahre ist die Stadt noch gut erhalten: Wände von Zimmern und Häusern aus Lehmziegeln und Teile von Mauern, die bis zu drei Meter hoch sind.

Unterschiedliche Stadtviertel erkennbar

Noch ist die Stadt nicht komplett freigelegt, trotzdem lassen sich schon einzelne Straßenzüge feststellen, erklärt Ann-Kathrin Horn von den Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten. Was sich außerdem bereits erkennen lässt: Die Stadt war in unterschiedliche Stadtviertel geordnet, so gab es eines für Bäckereien, eines für Verwaltungsgebäude und ein anderes für Werkstätten.

"In den Häusern wurden viele Alltagsgegenstände gefunden – in einem sogar Fässer mit getrocknetem Fleisch plus der Name des Metzgers von dem sie gekauft wurden."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Auch für die Forschenden ist das ein Wunder: Die Stadt ist so gut erhalten, als hätten die Bewohner diese gerade erst verlassen. Denn auch in den Häusern selbst finden sich noch gut erhaltene Gegenstände, zum Beispiels Schmuck. Sogar die Verzierungen der Gegenstände sind noch sichtbar. Deshalb vergleichen die Forschenden diesen Fund mit der italienischen Stadt Pompeji.

Ruinen der entdeckten Goldenen Stadt in der Nähe von Luxor/Ägypten, 10.4.2021
© Imago Images | Xinhua
Die Überreste der Goldenen Stadt in Ägypten in der Nähe von Luxor.

Warum und wie die Stadt untergegangen ist oder verlassen wurde, ist noch unklar, erklärt Ann-Kathrin Horn. Sie befindet sich direkt am Nil – gegenüber von der Stelle an der das heutige Luxor liegt.

"Die Stadt gehörte dem Pharao Amenophis III. Er war bekannt dafür, Wohlstand und Frieden zu bringen."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Vor 3.400 Jahren gehörten die Stadt und ein weiteres großes Reich dem Pharao Amenophis III – über viele Jahrzehnte hinweg. Diese Zeit gilt als gut geordnet, pompös und wohlhabend, erklärt die Wissenschaftsjournalistin. Die Goldene Stadt war eines der Zentren seines Reiches und somit zumindest für eine Zeit eine wichtige Königsstadt.

Sein Sohn Pharao Echnaton wechselte danach allerdings den Kurs. Er ließ eine neue Stadt bauen, um den Sonnengott Aton anzubeten. Echnatons Sohn war Pharao Tutanchamun – es könnte sein, dass die Stadt dann noch einmal aufgeblüht ist, als dieser zurück in die Gegend kam.

Eigentliches Ziel: Tutanchamuns Totentempel

Die Stadt findet zwar in mehreren Überlieferungen Erwähnung – gefunden wurde sie allerdings erst jetzt. So sagt es die ägyptische Archäologiebehörde und wendet sich damit gegen die Behauptung von Forschenden aus den USA, dass Teile der Stadt schon vor über hundert Jahren entdeckt wurden.

Die neuen Ausgrabungen starteten im Herbst 2020. Das eigentliche Ziel war jedoch eigentlich ein anderes. Das Team war auf der Suche nach Tutanchamuns Totentempel. Doch dann wurden sie von diesem Fund überrascht.

"Ägypten inszeniert derzeit besonders stark die eigenen Funde. So wurden letztens die Mumien von 22 Königinnen und Königen durch Kairo gefahren."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Zu erwähnen ist allerdings, dass Ägypten derzeit solche Funde besonders in den Fokus rückt, meint Ann-Kathrin Horn. Der Fund ist zwar relevant für Forschende aus aller Welt, trotzdem inszeniere ihn die Altertumsbehörde aber auch in großem Maße mit Blick auf Touristen.