Googles Streetview ist so gut wie kaum ein anderes Tool, um die Wahrscheinlichkeit für einen Autounfall herauszufinden. Das freut vor allem Autoversicherer.

Klingt abenteurlich, ist aber laut einer Studie von Forschenden der Universitäten Standford und Warschau tatsächlich so: Mithilfe von Aufnahmen, die Google mit dem Streetview-Auto gemacht hat, können sehr gut Rückschlüsse darauf gezogen werden, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Bewohner eines bestimmten Hauses einen Unfall baut. Das ist vor allem für Versicherungen interessant. Denn dort werden etwaige Ansprüche geltend gemacht.

Das Vorgehen ist dabei relativ simpel: Die Häuser werden in Kategorien eingeteilt, also Reihenhaus, Einfamilienhaus, Mehrfamilienhaus und ähnliches. Dann wird der äußerliche Zustand des Gebäudes bewertet. Das Ergebnis: Die Merkmale, die auf den Hausaufnahmen zu sehen waren, korrelieren mit dem Risiko von Autounfällen. Und zwar unabhängig von sonstigen Merkmalen, wie Alter des Fahrers oder Wohngegend beziehungsweise Postleitzahl. Das sind nämlich Kategorien, die bei deutschen Versicherern zum Beispiel zum Tragen kommen.

"Die Gegend, in der du wohnst, die so genannte Regionalklasse, kann genauso Auswirkungen auf die Höhe der Versicherungsprämie haben wie das eigene Alter."
Andreas Noll, Deutschlandfunk Nova Netzreporter

Ob das System, das in der Studie entwickelt wurde, bereits zum Einsatz kommt, darüber ist bislang nichts bekannt. Zunächst einmal handelte es sich bei der Auswertung um 20.000 polnische Versicherungspolicen. Fraglich ist, ob die Versicherungsnehmer zugestimmt haben, dass auch ihre Streetview-Daten für derartige Zwecke verwendet werden. Aufgrund der mittlerweile recht strengen europäischen Datenschutzgesetze ist es eher unwahrscheinlich, dass die Versicherungsnehmer bei der Übermittlung ihrer Adresse an den Versicherer auch zugestimmt haben, damit er anschließend auf Tour bei Streetview geht.

Für die Anbieter von Versicherungen sind die Daten sehr wertvoll, denn so kann das Vorhersagemodell nach Angaben der Wissenschaftler deutlich verbessert werden. Und die Versicherer können mehr Geld für ihre Policen fordern, wenn sie ein höheres Unfallrisiko aufgrund dieser Daten für wahrscheinlich halten.

"Hier haben wir also den nächsten Fall, der zeigt, wie wertvoll öffentlich verfügbare Daten über uns sind."
Andreas Noll, Deutschlandfunk Nova Netzreporter

Deutsche Streetview-Aufnahmen zehn Jahre alt

Ein weiteres Problem: Es gibt einen Zusammenhang von Risikomodellen über Branchengrenzen hinweg. Das heißt: Wenn eine Autoversicherung Alarm schlägt: Achtung, viele Unfälle zu erwarten, könnte ein Algorithmus für Risikobewertung einer Bank ausgeben: Achtung, erhöhtes Kreditausfallrisiko. Laut heise.de ist damit die Büchse der Pandora wieder ein Stück weiter geöffnet worden.

Für Deutschland sieht Netzreporter Andreas Noll da aktuell allerdings noch keine Probleme. Die aktuellen Aufnahmen aus Deutschland sind zehn Jahre alt, tausende Hausbesitzer haben außerdem ihre Häuser auf Streetview unkenntlich machen lassen. Und auch, wenn aktuell wieder Autos durch Straßen in Deutschland fahren, um Aufnahmen zu machen. Durch die deutschen Datenschutzbestimmungen sieht sich Google aktuell nicht in der Lage, diese Aufnahmen zu veröffentlichen.