In Zukunft werden automatische Übersetzungen einigermaßen brauchbar sein. Warum es trotzdem sinnvoll ist, Fremdsprachen auch selbst zu beherrschen.

Automatische Übersetzungen - Google Translate ist wohl das prominenteste Beispiel - vollziehen gerade einen weiteren Entwicklungsschritt. Techniken, die auch schon beim Sieg eines Computers über einen der weltbesten Go-Spieler, zum Einsatz kamen, helfen jetzt auch bei der vollautomatischen Übersetzung.

Die Computer werden mit Texten gefüttert, die Profis übersetzt haben. In diesen Texten versucht der Computer dann Muster zu finden, die er auf neue Übersetzungen anwenden kann. Je mehr Texte er bekommt und je mehr Muster er findet, desto besser wird die Übersetzung, die er selbst anfertigt.

Fest steht: Die automatischen Übersetzungen werden noch mal deutlich besser. Nur - was machen wir damit?

Um einen fremdsprachigen Text lesen und grob verstehen zu können, taugen die Übersetzungsalgorithmen. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir auf das Lernen von Fremdsprachen verzichten sollten. Zum Beispiel deshalb:

  • Janett Schindler, Gründerin des Blogs Teilzeitreisender, will sich auf ihren Reisen nicht auf Google Translate oder Übersetzungs-Apps verlassen. Fällt die Technik aus, steht sie nämlich im schlimmsten Fall in der Pampa und kommt nicht weiter.
  • Carolin Steig vom bekannten Reiseblog "We travel the world" mag es, sich mit einer Fremdsprache auseinanderzusetzen: "Damit lernt man automatisch auch etwas von der anderen Kultur."
  • Christiane von Stutterheim, Professorin an der Universität Heidelberg, lehrt germanistische Linguistik. Sie sagt: Wenn wir uns in einem anderen Sprachraum bewegen, nehmen wir auch Bewegungen im Raum anders wahr. Sprache und Denken seien eng miteinander verknüpft. Also: Wer keinen Bock auf Fremdsprachen hat, verpasst Erfahrungen, die er ohne nicht machen kann.
  • DRadio-Wissen-Reporterin Katrin Ohlendorf findet außerdem: Eine Fremdsprache zu lernen macht Spaß.
"Das ist überhaupt die komplexeste Fähigkeit, die wir besitzen: Sprache zu verwenden. Und das erhält in gewisser Weise die geistige Kreativität."
Christiane von Stutterheim, Professorin an der Universität Heidelberg