Man braucht nur den richtigen Job und schon kann man sich ziemlich beliebt machen bei seinen Kollegen. Mohammad Aleysa ist Umweltschutztechniker am Fraunhofer-Institut in Stuttgart und forscht daran, wie sich die Schadstoffe reduzieren lassen, die beim Grillen entstehen. Um das herauszufinden, schmeißt er regelmäßig den Grill an.

Wenn Mohammad Aleysa (im Bild oben) eine Rundmail schreibt, bekommen viele seiner Kolleginnen und Kollegen gute Laune - zumindest die, die Fleisch mögen. Dann steht nämlich Kebab vom Grill auf dem Speiseplan.

Mohammad Aleysa ist Gruppenleiter der Verbrennungs- und Umweltschutztechnik am Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) in Stuttgart. Regelmäßig grillt er im Auftrag der Wissenschaft, um die entstehenden Schadstoffe zu untersuchen.

"Es entsteht eine große Menge an Feinstaub und an Kohlenwasserstoffen, die eventuell gesundheitsgefährdend sein können. Außerdem Kohlenstoffmonoxid."
Mohammad Aleysa, Umweltschutztechniker am Fraunhofer-Institut in Stuttgart

Wenn Holzkohle auf dem Grill verbrannt wird, entstehen Kohlenwasserstoffe und Kohlenstoffmonoxid. Hauptsächlich aber der Feinstaub sei ein Problem, sagt der Umweltschutztechniker. Bei einem Grill, der einen halben Quadratmeter groß ist, entstünde im Jahr bis zu 300 Mal mehr Feinstaub als bei einem üblichen Holzkamin, den viele im Wohnzimmer haben.

Forschung für gewerbliche Holzkohlegrills

Bei Mohammad Aleysas Forschung geht es nicht um die kleinen Kohlegrills, die oft im Park benutzt werden, sondern um die großen, die in Restaurants oder Imbissbuden zu finden sind - also vor allem um gewerbliche Holzkohlegrills.

Diese Anlagen werden prinzipiell rund um die Uhr betrieben, im Durchschnitt über zehn Stunden am Tag, sagt Mohammad Aleysa. Entsprechend hoch ist die Schadstoffmenge, die sie erzeugen - aber eben auch das Einspar-Potential, verglichen mit einem privaten Kleingrill im Park.

Auftrag vom Umweltbundesamt

Den Auftrag, Grills emissionsärmer zu machen, hat das Fraunhofer-Institut vom Umweltbundesamt bekommen. Die Grills sorgen nämlich tatsächlich in vielen Städten für Ärger, wie Mohammad Aleysa weiß.

"Es gab etliche Beschwerden in mehreren Bundesländern, wo sich die Bürger über starke Geruchsbelästigung beschwert haben."
Mohammad Aleysa, Umweltschutztechniker am Fraunhofer-Institut in Stuttgart

Über ein solches Beispiel aus Köln haben wir bei Deutschlandfunk Nova vor einiger Zeit berichtet: Je nachdem, wie der Wind steht, bekommen Passanten und Anwohner auch noch in 150 Metern Entfernung die Rauchwolke eines beliebten Imbisses mit Holzkohlgrill ab. Und selbst, wenn sie das Fleisch eigentlich lecker finden, ist es verständlich, dass sie davon genervt sind.

Betreiber solcher Imbissbuden müssen sich an einige Vorgaben halten, zum Beispiel müssen sie einen dem Gebäude entsprechend hohen Schornstein haben. Der Imbiss aus Köln hält sich an alle Vorgaben. Um den störenden Geruch loszuwerden, würde nur eine Filteranlage helfen. Das Problem: Sie kostet sehr viel Geld und müsste vom Betreiber selbst bezahlt werden.

Gerüche minimieren mit Filteranlage

Auch an solchen Filteranlagen forscht Mohammad Aleysa. Mit einem mehrstufigen Verfahren versucht er, die Gerüche weitestgehend zu minimieren:

  • Zuerst wird Ozon dazugegeben
  • Dann wird das Abgas in einem seifenhaltigen Wasser gewaschen
  • Danach durch einen elektrostatischen Staubabscheider geleitet
  • Und noch durch einen Aktivkohlefilter

Dieser Prozess ist ziemlich aufwendig und lohnt sich nur bei großen Anlagen. Außerdem kann sich durch solche Filteranlagen Fett an der Innenseite des Schornsteins ansammeln. Und das könnte schlimmstenfalls zu einem Fettbrand führen.

Fett verbrennen, bevor Gerüche entstehen

Mohammad Aleysa sucht deshalb nach einer viel einfacheren Lösung: Er arbeitet daran, die Abgasmenge von Anfang an zu reduzieren - und zwar mit einen neuen Grilltechnik, die das Fett verbrennt, bevor Gerüche entstehen. Details darf er aber noch nicht verraten.

"Wie die neue Grilltechnik genau funktionieren soll, wollte Mohammad Aleysa noch nicht verraten, weil das Fraunhofer-Institut dazu bald ein Patent anmelden wird."
Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk Nova

Für seine Forschung verwendet Mohammad Aleysa vor allem fettes Fleisch, zum Beispiel Adana- oder Urfa-Spieße. Die sind in der Regel aus Lamm- und Rinderhack. Ihr Fettanteil liegt bei bis zu 40 Prozent, wobei über die Hälfte dieses Anteils auf das Glutbett abtropft und verbrennt.

Von diesen Spießen hat Mohammad Aleysa mittlerweile schon etwa 50 Kilo gegrillt. Nichts davon sei weggekommen, hat er uns erzählt. Alles sei von seinen Kolleginnen und Kollegen aufgegessen worden. Er selbst hält sich dabei aber eher raus, da der Grillprofi nur selten Fleisch isst.