Eine junge Frau in einer wunderschönen, handgemalten Welt. Es geht um Kunst, um Trauer und Depression: Das ist "Gris". Und es lohnt sich, einen ganz langen Blick darauf zu werfen.

Technisch betrachtet ist "Gris" nichts besonders: ein klassischer 2D-Plattformer. Der Spieler steuert eine junge Frau namens Gris durch die Spielwelt, sammelt Lichtkugeln auf, springt und rätselt sich an Hindernissen vorbei. Von solchen Spielen gibt es viele.

Gris ist ein Kunstwerk

Der große Unterschied: "Gris" ist das wahrscheinlich hübscheste Spiel des Jahres. "Die Welt ist abstrakt, aber sehr fantasievoll", sagt Deutschlandfunk-Nova-Gamesexpertin Jana Reinhardt. "'Gris' zu spielen fühlt sich ein bisschen so an, als würde ich direkt durch die Welt eines Kunstwerks laufen."

"Gris zu spielen fühlt sich an wie die Begehung eines Artbooks."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Gamesexpertin

Der Vergleich mit Kunst ist gar nicht so weit hergeholt. Denn das Spiel wurde maßgeblich von dem spanischen Künstler Conrad Roset enwickelt. Sein Stil erinnert ein wenig an Kunstwerke von Salvador Dali oder dem Comiczeichner Moebius.

Roset hat schon in großen Museen ausgestellt, hat ein Händchen für Aquarellbilder, meist von Blumen oder Frauen. Und mit Games hat er eigentlich nichts am Hut – bis er die Game-Entwickler vom Nomada Studio kennen lernt. Gemeinsam entsteht die Idee, aus Rosets Kunst ein Spiel zu machen.

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Das so zu verwirklichen, war extrem aufwendig. In einer Spielszene braust etwa ein Sandsturm durch eine Wüste: "Die Entwickler haben da Tusche in Wasser gegossen, das Ganze gefilmt und dann als Effekt benutzt", erklärt Jana.

So bekommt der Spieler einen bildschönen, zerfließenden Wirbel zu sehen. Andere Effekte haben die Macher mit Aquarellfarbe auf nassem Papier erstellt – und digital nachbearbeitet. Auch die Figuren im Spiel sind allesamt handgezeichnet, wie in einem etwas älteren Zeichentrick-Film.

"Das sieht wahnsinnig dynamisch aus durch diese Animationstechnik. Das ist ein Effekt, den du mit 3D-Grafiken nie so hinbekommst."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Gamesexpertin
Eine Szene aus dem Computerspiel "Gris".
© Nomada | Devolver Digital

"Gris" ist ein Spiel zum Erleben und Genießen, es ist einfach, nicht einmal Sterben kann die Spielfigur. "Eine Herausforderung fehlt in Gris völlig", sagt Jana. "Aber dadurch kannst du das Spiel fast ungehindert in einem Run durchlaufen, denn der Look steht im Vordergrund." Das war eine ganz bewusste Entscheidung der Entwickler.

“It really takes you out of the experience if you die, and then you go to a black screen and respawn again. We wanted to have this idea of making it feel like a movie, that’s why it’s all in one sequence.”
Roger Mendoza, Entwickler von Gris

Doch so hübsch und verträumt "Gris" auch optisch erscheint, inhaltlich geht es um ernste Themen: Die Heldin im Spiel kämpft gegen ihre eigenen Depressionen, Einsamkeit und Trauer. Da passt eine Figur (wie bei vielen anderen Spielen), die alle paar Schritte stirbt und den Level von vorne anfangen muss, nicht rein. Nichts soll den Spielfluss stören oder den Spieler frustrieren, weil er eine Herausforderung nicht schafft.

So spielt sich "Gris" eher wie ein Animationsfilm, bei dem der Spieler das Tempo selbst bestimmt.

Janas Fazit: Das Spiel ist ideal für Liebhaber sehr künstlerischer Spiele, die einfach eine wunderschöne Welt erleben wollen. Aber auch Comicfans, die sonst nicht so sehr für Games zu begeistern sind, können ihren Spaß haben. "Gris" erscheint für die Nintendo Switch und den PC.

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