Die Konservative Partei gewinnt 1979 die Wahlen. Deren Parteivorsitzende, Margaret Thatcher, wird als erste Frau britische Premierministerin. Ihr harter Politikstil bringt ihr den Titel "Eiserne Lady" ein.

Großbritannien 1979: Das Magazin Der Spiegel titelt: "Das kranke England" und zählt auf:

  • Pro-Kopf-Einkommen auf den 20. Platz in der Weltrangliste abgerutscht
  • Arbeitsproduktivität nicht besser als in der DDR
  • milliardenschwere Dauerpleiten im Schiff- und Flugzeugbau, aber auch in der Atomenergie
  • sinkende Löhne, steigende Inflation

Die einst mächtige Industrie- und Handelsnation Großbritannien steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise. Maggie Thatcher, die den Vorsitz der Konservativen Partei übernimmt, verspricht bei den Unterhauswahlen 1979 einen Kurswechsel. Die Partei gewinnt und Maggie Thatcher wird britische Premierministerin. Am 4. Mai 1979 tritt sie das Amt als erste Frau an.

"Konservative Revolution" der "Eisernen Lady"

Als "Thatcherismus" wird ihre Wirtschaftspolitik bezeichnet. Es kommt zu Liberalisierung der Märkte, Verschlankung des Staates, Privatisierung von Staatsbetrieben, die Reduzierung von Sozialleistungen und Einschränkung der Gewerkschaften. Geprägt war Maggie Thatcher vom Geist des Calvinismus, wonach wirtschaftlicher Erfolg im freien Wettbewerb errungen wird, um so die Gunst des Allmächtigen zu erwerben.

Doch die hohe Arbeitslosigkeit und die sozialen Spannungen gehen nicht zurück. Die Industrie erholt sich nicht. Dagegen boomen der Finanz- und Dienstleistungssektor. Ihre Umfragewerte liegen im Keller. Doch mit dem Falkland-Krieg gegen Argentinien holen die Konservativen erneut die Stimmenmehrheit und Maggie Thatcher tritt 1983 ihre zweite Amtsperiode an. Ihr hartes Vorgehen im Falkland-Krieg, ihr teilweise rüder Politikstil und ihre Wirtschaftsliberalität bringen ihr den Titel "Iron Lady" ein.

Verbittert über Verlust an Rückhalt

Die Konservativen können auch 1987 noch einmal die Wahlen für sich entscheiden. Doch der Rückhalt für die "Eiserne Lady" in ihrer eigenen Partei schwindet. Am 28. November 1990 verkündet sie ihren Rücktritt. Ihren Sturz hat sie nie verkraftet und bezeichnet ihn verbittert als Verrat ihrer Kabinettskollegen.

Grundstein für Brexit gelegt

Gegenüber der Europäischen Gemeinschaft, dem Vorläufer der Europäischen Union, ist sie kritisch. Sie schätzt die Wirtschaftsbeziehungen und die Vorteile durch den gemeinsamen Markt. Aber gleichzeitig ist ihr die europäische Staatengemeinschaft zu teuer und zu ineffektiv. Brüssel ziehe nur immer mehr Kompetenzen auf sich, was zulasten der Nationalstaaten gehe, schimpft Maggie Thatcher. Argumente, derer sich die Brexit-Befürworter heute noch bedienen.

In Eine Stunde History hört ihr:

  • wie der Historiker an der TU Darmstadt, Detlev Mares, die "Eiserne Lady" charakterisiert;
  • Dominik Geppert von der Universität Potsdam die "konservative Revolution" Maggie Thatchers erläutert;
  • der Autor und Journalist Thomas Kielinger das Verhältnis zwischen Großbritannien und dem Rest Europas beschreibt;
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld über die soziale und politische Situation zu Beginn der ersten Amtszeit von Maggie Thatcher im Mai 1979 berichtet;
  • und Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Christine Werner an den Amtsantritt am 4. Mai 1979 erinnert.