Ihre Hände kennen Millionen. Der Grund: Filiz Osmanodja kann unglaublich gut Schach spielen. Deshalb ist sie das Hand-Double in der Netflix-Serie "Das Damengambit". Wir haben mit der Schach-Großmeisterin gesprochen.

Die Netflix-Serie "Das Damengambit" erzählt in sieben Teilen die Geschichte des Waisenmädchens Beth Harmon, das in den 50er-Jahren die Schachwelt erobert hat. Allein im ersten Monat haben 62 Millionen Menschen die Serie geschaut und Schach zum absoluten Trend gemacht.

Flinke Hände, flinker Kopf

Nicht in allen Szenen sind es die Hände der Schauspielerin Anya Taylor-Joy, die König, Dame, Türme, Läufer, Springer und Bauern bewegen. "Ich habe die Szenen gespielt, in denen es schnell gehen sollte", sagt Filiz Osmanodja. Dafür seien ihre Hände zwei Stunde in der Maske gewesen. Die Großmeisterin aus Dresden spielt Schach, seit sie fünf Jahre alt ist. Ihr Vater hat es ihr damals beigebracht. Inzwischen ist sie Mitte 20, studiert Medizin und ist Kaderspielerin der deutschen Schach-Nationalmannschaft.

"Das Damengambit" sei äußerst authentisch und die Schachszenen tatsächlich gespielt worden, berichtet Filiz Osmanodja.

"Die Partien, die in 'Das Damengambit' zu sehen sind, sind echte Partien. Auch der Alltag auf den Schachturnieren, die Schiedsrichter, das ganze Setting stimmt."
Filiz Osmanodja, Schach-Großmeisterin

Als Kind hat Filiz Osmanodja vor allem mit Büchern trainiert. Mittlerweile greift sie auf digitale Alternativen und Datenbanken zurück, in denen die Partien von Großmeistern analysiert werden. Heute ist sie nun selbst eine Großmeisterin.

Zunächst nicht ernst genommen

Sie war schon Deutsche Meisterin und ist aktuell die Nummer 16 der deutschen Rangliste der Frauen. Nach wie vor nimmt sie an vielen Schachturnieren teil. Gerade zu Beginn ihrer Laufbahn sei sie oft nicht ernst genommen worden, berichtet die Schach-Großmeisterin – vor allem als sie noch jünger war und gegen erwachsene Männer spielte.

"Die ersten Turniere waren komisch, wenn ich gegen ältere Herren gespielt habe. Aber die Schachspieler sind immer höflich."
Filiz Osmanodja, Schach-Großmeisterin

Der Umgang miteinander bei Schachturnieren sei sehr höflich, erzählt Filiz Osmanodja. Sie habe praktisch keine negativen Erfahrungen gemacht. Einzige Ausnahme: In der ersten Runde eines wichtigen Turniers habe sie einmal gegen einen viel älteren bulgarischen Großmeister gewonnen. Und das, obwohl dieser zunächst lange wie der sichere Sieger aussah und erst am Ende – durch einige Tricks seiner Gegnerin – noch verlor.

Er habe das nur schwer akzeptieren können und sei nach der Partie sehr mitgenommen gewesen. Sie hätte sehr viel Glück gehabt und würde bei diesem Turnier keine Partie mehr gewinnen, habe er ihr nach seiner Niederlage gesagt. Am nächsten Tag habe er sich dann aber bei ihr entschuldigt, erzählt Filiz Osmanodja.

Schach ist eine Männerdomäne

Schach sei nach wie vor eine Männerdomäne. Zu wenige Mädchen würden mit dem Schachspielen beginnen. Wenn sie sähen, dass beim Schnuppertag vor allem Jungen da sind, würden sie das Interesse verlieren. Deshalb gibt es inzwischen eigene Angebote nur für Mädchen.

"Deswegen ist 'Das Damengambit' auch so beliebt – weil die Serie zeigt, dass auch eine Frau beim Schach ganz nach oben kommen kann."
Filiz Osmanodja, Schach-Großmeisterin

Die Geschichte von Beth Harmon in "Das Damengambit" komme auch deshalb so gut an, weil sie zeige, dass es auch eine Frau ganz nach oben schaffen kann. Sie selbst könne sich über ihre eigene Förderung zwar nicht beschweren, sagt Filiz Osmanodja. Es sei aber wichtig, im Breitenschach mehr Mädchen und Frauen zu fördern.

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