Waschen, bürsten, föhnen aber nichts hilft. Es gibt Haare, die lassen sich nicht bändigen. Schuld daran ist das "Struwwelpeter-Syndrom" oder das "Syndrom der unkämmbaren Haare".

Seit einigen Tagen geht ein Bild durchs Netz. Darauf zu sehen ist die etwa ein Jahr alte Phoebe (Phibi) Braswell. Die Haare der Kleinen stehen wild vom Kopf ab, in etwa so als hätte sie in eine Steckdose gefasst. So ist das immer. Die Haare lassen sich nicht glätten, Kämmen ist eine schmerzhafte Tortur für die Kleine. Ihrer Mutter wurde sogar schon vorgeworfen, sie lasse ihre Tochter verwahrlosen. Dabei hat das Chaos-Haar einen ganz anderen Grund: Es ist das Struwwelpeter-Syndrom.

Dieses Syndrom der unkämmbaren Haare ist ein Gendefekt. Drei Gene sind bei uns wichtig für die Haarproteine. Wenn eins nicht funktioniert, verändert das die Struktur und Stabilität. Das Kopfhaar ist silberblond, kraus und extrem trocken - so wie bei Phoebe. Im Gegensatz zu normalem Haar hat das Struwelpeterhaar keinen runden Querschnitt, sondern die sogenannten Haarfollikel an den Haarwurzeln sind dreieckig bis nierenförmig. Und genau das führt dazu, dass die Haare in alle Himmelsrichtungen abstehen.

Der Gendefekt ist vererbbar. Etwa 100 Menschen mit dem Struwelpeter-Syndrom sind medizinisch bekannt. Wissenschaftler vermuten aber, dass es insgesamt noch viel mehr gibt. Auch bei Albert Einstein soll dieser Gendefekt für die krausen, abstehenden Haare verantwortlich gewesen sein.

"Die Haare spiegeln doch auch den Gesundheitszustand wieder.“
Yael Adler, Dermatologin

Im Laufe der Zeit kann sich das Haar noch etwas verändern, möglicherweise lässt es sich dann auch irgendwann bei Phoebe etwas besser kämmen. Von der Theorie, dass sich unsere Haare im Laufe des Lebens alle sieben Jahre ändern, hält die Dermatologin Yael Adler nichts.  

Sie sagt, dass wir über die Ernährung viel zur Gesundheit unserer Haare beitragen können: "Indem man zum Beispiel eiweißreich isst, Bäckerhefe, Silizium, also Kieselsäuregel, Vollkornprodukte. Das sind alles so Substanzen, die die Haare brauchen, um gesund zu wachsen und sich aufzubauen. Auch Eisenmangel darf man nicht haben und man muss eine gesunde Schilddrüse haben."

Glätteisen und Bleichmittel sind Gift fürs Haar

Und noch ein Rat von der Dermatologin: Jedes einzelne Haar ist ein Hornfaden, der - sobald er aus der Kopfhaut rauswächst - nicht mehr durchblutet ist. Wenn wir unsere Haare also mit Glätteisen, Bleichmitteln oder heißen Föhns zu sehr malträtieren, dann trocknen sie aus, brechen ab, bekommen Spliss - und das lässt sich dann nicht mehr reparieren.