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"Follow the glitch karnickel", in etwa "folge dem Störungskarnickel" - damit will der Bundesnachrichtendienst als Arbeitgeber für Hackerinnen und Hacker auf sich aufmerksam machen. Denn Menschen mit den gesuchten Fähigkeiten sind rar und gefragt.

Am Arbeitsministerium, der deutschen Oper und an U-Bahn-Stationen flimmerte es schon: Das weiße Karnickel, mit dem der Bundesnachrichtendienst Hackerinnen und Hacker überzeugen will, für ihn zu arbeiten. Unter dem Hashtag #followtheglitchkarnickel startete die Aktion, bei der Menschen sich auf die Suche nach den Projektionen in der Hauptstadt machen sollten.

"Das ganze ist eine Anspielung auf "Follow the white rabbit" aus dem Film Matrix, in dem es um einen jungen Hacker geht."
Andreas Bogk, Chaos Computer Club

Dass sich Hackerinnen und Hacker von Kaninchen und einem bunten Design anlocken lassen, glaubt der Experte vom Chaos Computer Club eher weniger. Doch das ganze spielt auf den Film Matrix an und ist damit thematisch passend.

Erstaunlich findet Andreas Bogk hingegen, dass der Bundesnachrichtendienst für die Kampagne so viel Geld in die Hand genommen hat. Erklären kann er es sich nur mit einem Faktor: Nachwuchsprobleme.

Anforderungen erfüllen nur wenige

Gesucht werden Hackerinnen und Hacker, die in fremde Computer einbrechen. In der Industrie werden teilweise auch Menschen gesucht, die das eigene Betriebssystem hacken sollen, um zu überprüfen wie hoch die Sicherheit ist. Dabei handelt es sich also um einen simulierten Angriff. Solche Aufgaben nennen sich im zivilen Bereich "Red Team Operations".

Im Bereich der Geheimdienste fällt das unter den Begriff "Cyber Network Engineering". Die Angriffe sind dann nicht mehr simuliert, erklärt Andreas Bogk. Hierbei wird in andere Systeme eingebrochen, nach Informationen gesucht und Hintertüren eingebaut.

"Die Anforderungen reichen von jemandem, der diese Werkzeuge einsetzen und einen Einbruch ermöglichen kann, bishin zu Menschen, die diese Werkzeuge selbst programmieren sollen."
Andreas Bogk, Chaos Computer Club

Der BND sucht mit dieser Kampagne nach Menschen, die einen solchen Einbruch durchführen oder sogar die Werkzeuge dafür selbst programmieren können. Das Problem: Das können nur wenige.

In Deutschland handelt es sich bei Menschen auf dem geforderten Einstiegslevel um eine kleine vierstellige Anzahl, die in Frage kommen, sagt Andreas. Auf dem höheren Level, also wenn es darum geht Hintertüren einzubauen, sind es dann vielleicht wenige hundert weltweit, die das auf einem Niveau betreiben, mit dem ein Arbeitgeber wie der BND etwas anfangen kann.

"Der BND kann sicherlich nicht mit den Gehältern auf dem freien Markt mithalten - dort können Hackerinnen und Hacker ungefähr das doppelte verdienen."
Andreas Bogk, Chaos Computer Club

Ob eine hippe Kampagne ausreicht, um solche Menschen zu akquirieren, bleibt fraglich. Schließlich können Hackerinnen und Hacker in der freien Wirtschaft für die gleichen Tätigkeiten fast doppelt so viel verdienen, erklärt Andreas Bogk.

Konkurrenz sind vor allem Dienstleistungsunternehmen

Eine öffentlich-rechtliche Behörde - klingt für viele auch nicht auf Anhieb verlockend. Eine große Konkurrenz als Arbeitgeber sind vor allem Dienstleistungsunternehmen, die solche Hack-Angriffe für andere anbieten.

"Es gibt natürlich auch eher im Graubereich Möglichkeiten, mit solchen Fähigkeiten Geld zu verdienen. Da kann es sich schon mal um Preise von einer halben oder ganzen Million handeln."
Andreas Bogk, Chaos Computer Club