In gut zehn Wochen ist Bundestagswahl. Laut eines Berichts des Bundesamts für Verfassungsschutz sind Hackerangriffe auf Politikerinnen und Politiker zu befürchten – durch den russischen Geheimdienst.

Wenige Monate vor der Bundestagswahl befürchten Sicherheitsbehörden Cyberangriffe, Propaganda und Desinformationen. Und das wohl zurecht: In einem vertraulichen Bericht des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV), der Reportern von BR und WDR vorliegt, wird davor gewarnt, dass Hacker sensible Informationen leaken oder gekaperte Social-Media-Accounts nutzen könnten, um Falschnachrichten zu verbreiten.

"Hacker haben versucht, Privataccounts von Politikerinnen und Politkern zu hacken."
Hakan Tanriverdi, Bayerischer Rundfunk

Cyberangriffe im Vorfeld der Bundestagswahl sind möglich, steht in dem Bericht. Schon jetzt haben bestimmte Gruppen nämlich versucht, über gezielte E-Mails Privataccounts von Politikerinnen und Politkern zu hacken, berichtet Hakan Tanriverdi vom Bayerischen Rundfunk.

Der Verfassungsschutz und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hätten die Politiker darauf aufmerksam gemacht und ihnen einen Leitfaden an die Hand gegeben, wie sie sich schützen können.

Leaks könnten noch bevorstehen

Die heiße Phase könnte erst noch kommen. In Polen etwa hat sich eine Hacker-Gruppe erstmal nur auf Phishing konzentriert. Erst später wurde damit begonnen, über Telegram-Gruppen Leaks zu veröffentlichen. Die Hacker waren also erfolgreich und sind an interne Dokumente gekommen. In Deutschland wollen die Sicherheitsbehörden das verhindern.

Theorie: Erneut "Ghostwriter" aus Russland

Thomas Haldenwang, der Chef des Verfassungsschutzes, hat in einer Sitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums die Theorie geäußert, die Gruppe könnte im Auftrag des russischen Staates agieren.

Konkret geht es um den militärischen Geheimdienst GRU. Die Hackergruppe, um die es geht, wird "Ghostwriter" genannt. Das war genau die Gruppierung, die sich bereits Zugang zum Deutschen Bundestag verschafft hatte.

"Die Angriffe richten sich gegen Kommunalpolitiker, Landtagsabgeordnete und Bundestagsabgeordnete. Sie sind sehr breit gestreut."
Hakan Tanriverdi, Bayerischer Rundfunk

Laut Verfassungsschutz hat es "mehr als 300 Angriffsversuche" gegeben. Die Attacken waren breit gestreut und richteten sich gegen Bundestagsabgeordnete, Landtagsabgeordnete und Kommunalpolitiker – also auch gegen weniger bekannte Personen.

Eine Vermutung: Unbekannte Politikerinnen und Politiker werden gehackt, um sich so Zugang zu bekannten Personen aus deren Netzwerk zu verschaffen.

AG Hybrid will Angriffen zuvorkommen

Die deutsche Regierung hat Ende 2018 unter Federführung des Bundesinnenministeriums die Arbeitsgruppe Hybrid gegründet. Seitdem treffen sich dort regelmäßig Bundesamt für Verfassungsschutz, Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und Bundesnachrichtendienst, um sich über sogenannte "hybride Bedrohungen" wie Cyberangriffe oder gezieltes Streuen von Falschinformationen auszutauschen.

Dass der erneute mutmaßliche Angriff der "Ghostwriter" erkannt wurde, sei ein positives Zeichen dafür, dass hier in den vergangenen Jahren etwas unternommen worden ist, sagt Hakan Tanriverdi.