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Bundesfamilienministerin Franziska Giffey rechnet an Weihnachten wegen des Lockdowns mit einem Anstieg der häuslichen Gewalt gegen Frauen. An Ostern habe es bereits einen solchen Anstieg gegeben. Hier kommen Tipps, wie wir helfen können, wenn wir solche Fälle im persönlichen Umfeld oder in der Nachbarschaft mitbekommen.

Während des ersten Lockdowns sei die Zahl der Anrufe beim Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen im Vergleich zu 2019 um etwa 25 Prozent gestiegen, so berichtet es die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Eine auffällige Zunahme habe es an den Ostertagen gegeben.

Weihnachten - (k)ein Fest der Liebe

Die Befürchtung ist, dass es eine solche Zunahme auch an den Weihnachtsfeiertagen geben könnte. Auch in anderen Jahren sei das an Weihnachten Fall, der Lockdown könnte die Situation nochmals verschärfen, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ilka Knigge

"Es wird befürchtet, dass es eine Zunahme auch an den Weihnachtsfeiertagen geben könnte. Und zwar eine noch höhere als es an den Weihnachtsfeiertagen regelmäßig sowieso schon gibt."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Laut einer Umfrage der TU-München wurden drei Prozent der Frauen in Deutschland in der Zeit der strengen Kontaktbeschränkungen im Frühjahr Opfer von körperlicher Gewalt. Waren die Frauen in Quarantäne oder hatte die Familie finanzielle Sorgen, lagen die Zahlen höher. Weiterhin stellt die TU-München fest, dass nur sehr wenige Frauen auch Hilfsangebote nutzen.

Einschreiten ja, aber auch das Wie ist wichtig

Wenn es auffälligen Lärm, Schreie oder lauten Streit in der Nachbarwohnung gibt, dann ist es prinzipiell immer richtig, einzuschreiten – und zwar lieber zu oft, als nichts zu tun. Doch es kommt auch darauf an, wie wir das machen, sagt Sabine Stövesand. Sie lehrt Soziale Arbeit an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Was wir vermeiden sollten: Zu der Nachbarin gehen und sagen: "Hi, ich habe das Gefühl, du erfährst Gewalt". Opfer häuslicher Gewalt würden das oftmals nicht zugeben.

"Rübergehen, aber nicht sagen: "Hi, ich habe das Gefühl, du erfährst Gewalt." Die meisten geben es nicht zu, sie könnten überfordert sein."
Sabine Stövesand, Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg

Stattdessen rät die Expertin dazu, einen Vorwand einfallen zu lassen wie: "Ich wollte backen", "habe kein Mehl mehr zu Hause", "kein Geschenkpapier", "könnte ich ein Handyladekabel leihen". Das helfe, sich selbst nicht in Gefahr zu bringen und vor allem: Es unterbreche die Situation. Natürlich kann und sollte auch die Polizei hinzugerufen werden.

Gewalt ist nicht nur körperliche Gewalt

Neben eindeutigen Situationen und Vorfällen gibt es aber auch solche, die kaum oder nur schwer erkennbar sind. Denn Gewalt ist nicht nur körperliche Gewalt. Auch wenn der Partner die Freundin oder den Freund von sozialen Kontakten abschottet, sie manipuliert oder beherrscht, ist das eine Form von Gewalt.

"Auch wenn der Partner die Freundin abschottet von sozialen Kontakten, oder sie manipuliert ist das Gewalt. Und das geht bis zur totalen Isolation und Beherrschung."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk Nova

Bärbel Wardetzki ist Psychotherapeutin. In Fällen psychische Gewalt würden Paare oftmals ganz für sich alleine leben, damit kein Außenstehender mitbekomme, was da laufe, sagt sie. Wer so etwas im Freundes- oder Bekanntenkreis erlebt, kann sich Unterstützung bei Organisationen holen - etwa beim Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen.

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Pauschale Lösungen, wie man Betroffenen helfen kann, gibt es zwar nicht, aber genau deshalb können wir am Telefon oder per Chat mit einer Beraterin die Situation durchgehen - anonym und unverbindlich. Und wer andere auf das Angebot aufmerksam machen möchte: Manche Beratungen haben Infokärtchen, die in den Briefkasten geschmissen werden oder anders weitergeben werden können, um Betroffene auf konkrete Hilfsangebote aufmerksman zu machen.

Hier gibt es Hilfe: