Mehr als zehn Tonnen Kokain haben Fahnderinnen und Fahnder in Deutschland beschlagnahmt. Das zeige allerdings nicht, dass es eine bessere Suchstrategie für die Fahnder gebe, sagt NDR-Journalist Benedikt Strunz. Es komme einfach viel Kokain nach Europa. Deutschland sei für internationale Kokainhändler Annahmehafen und Geldwäscheland.

Der Drogenmarkt in Europa und Deutschland wird mit Kokain überschwemmt: Denn das Geschäft mit dem Verkauf der Droge aus der Kokapflanze boomt. Mindestens hundert Tonnen sind dieses Jahr nach Deutschland gekommen. Fahnder schätzen, dass sie jedes zehnte Kilo entdecken.

Das sei eine ziemlich schwache Quote, sagt NDR-Journalist Benedikt Strunz. Mehrere norddeutsche Landeskriminalämter fordern daher nach einer neuen Strategie, um dem internationalen Kokainhandel entgegenzuwirken.

"Im Kokainhandel ist Deutschland vor allem Annahmehafen und das Land der Geldwäsche."
Benedikt Strunz, NDR-Journalist

In dem globalen Netzwerk des Kokainhandels spielt Deutschland vor allem zwei Rollen: Es ist Annahmehafen für die Droge und dient im Anschluss als Geldwäscheland. Das bedeutet: Hunderte Kilo Kokain kommen an norddeutschen Häfen an, um sie im Anschluss nach Antwerpen und die Niederlande zu bringen. Die Unterhändler fungieren dort als eine Art Großmarkt. Ihre Aufgabe ist es, die Droge in kleinen Portionen auf den deutschen Straßenmarkt zurückzubringen.

Nach dem Verkauf des Kokains nutzen die Kokainakteure Deutschland wieder, um hier ihr Geld aus den Drogengeschäften zu waschen. Das Bargeld investieren sie dann zum Beispiel in teure Autos und Schmuck.

Das ist möglich, weil es in Deutschland keine Bargeldobergrenzen gibt. Theoretisch kann hier jeder Geldbetrag in bar bezahlt werden. Makler, Anwälte, Notare, Juweliere und Auktionatoren sind in der Pflicht, einen Verdacht auf Geldwäsche zu melden – in vielen Fällen würde das weiterhin nicht passieren, sagt Benedikt Strunz.

"Die Kokainhändler gehen mit Plastiktüten voll Geldscheinen zu Autohändlern, zu Juwelieren und die melden keinen Verdacht. Das sind nach wie vor ziemlich gute Bedingungen für Geldwäscher in Deutschland."
Benedikt Strunz, NDR-Journalist

Das Bundeskriminalamt plant daher zukünftig, die Häfen in Deutschland zu sichern. Zum Beispiel befürchten Fahnderinnen und Fahnder aktuell, Kokainhändler könnten Hafen- und Zollmitarbeiter mit Geld bestechen. Um die Drogenhändler zu schwächen und so das Geldwäschesystem ins Schwanken zu bringen, soll zusätzlich der Geldfluss mit den Kokaingeldern von Europa nach Südamerika gestoppt werden.

Der internationale Kokainhandel ist perfekt organisiert

Mit seinen Strukturen ähnelt der Kokainhandel einem perfekt organisierten globalen Unternehmen. Die einzelnen Akteure fügen sich zu einem großen Puzzle zusammen. Aktuell gebe es allerdings Revierkämpfe unter den europäischen Gruppen, erklärt Benedikt Strunz: Die italienische Mafia streitet sich zum Beispiel mit der Mafia des westlichen Balkans um ihre Einsatzgebiete.

Ein weiteres bedeutendes Drogen-Geldwäsche-Netzwerk gibt es im Libanon. Mit ihrem Gewinn aus dem Kokainhandel würden die libanesischen Gruppen unter anderem die islamistisch-schiitische Hisbollah-Miliz unterstützen, sagt Benedikt Strunz.