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Sie sollen Vorräte anlegen. Das Signal soll die britische Regierung offenbar an die großen Supermarktkonzerne der Insel geschickt haben. Aus Angst vor einem "No Deal" sind die Warenlager der großen Ketten schon voll.

Bis zum Ende des Jahres haben Boris Johnson und seine Regierung Zeit, sich mit der EU auf ein Freihandelsabkommen zu einigen. Passiert das nicht und der "No Deal" trifft ein, bedeutet das für den Handel zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU, dass ab Januar 2021 Zölle eingeführt werden.

Aus Angst vor hohen Zöllen und leeren Regalen häufen die Briten seit Monaten alles an, was geht: Waschmaschinen, Kühlschränke, Spielwaren, selbst Ferraris und Maseratis, berichtet Sandra Pfister aus der Deutschlandfunk-Wirtschaftsredaktion.

"Noch vor zwei Monaten hat Johnson gesagt, die Versorgungskette bei Lebensmitteln sei total robust. Aber schon damals gab es Papiere von Beamten, die klar gezeigt haben: Das ist nicht so."
Sandra Pfister, Dlf-Wirtschaftsredaktion

Ähnlich sieht es mit Lebensmitteln aus. Der größte Online-Lieferdienst des Landes, Ocado, hat in den vergangenen Wochen etliche Flaschen der italienischen Biermarke "Peroni" aufgekauft. Und die Weinhandelkette Majestic hat zwei Millionen Flaschen Wein aus EU-Ländern gebunkert.

Wein in Kisten
© imago images / Jochen Tack

Lebensmittel importieren

Denn: Die Briten importieren rund die Hälfte ihrer Lebensmittel. Davon wiederum bekommen sie etwa 50 Prozent aus der EU. Dazu zählen vor allem Obst und Gemüse wie Tomaten, Pilze oder Salat.

Kommt der No-Deal-Brexit, rechnen Experten mit Zöllen in Höhe von 14 Prozent auf Tomaten aus der EU und bis zu 57 Prozent auf Käse. Der beliebte Brie zum Beispiel könnte dann um 40 Prozent teurer werden, Roquefort oder Halloumi um 55 Prozent, schätzen sie.

Weniger aus der EU, mehr aus UK

Der Vorsitzende der Supermarktkette Tesco, John Allan, sagte der BBC in einem Interview Anfang Dezember, dass die Import-Zölle das Kaufverhalten der Briten und damit auch ihre Essgewohnheiten beeinflussen könnten. Statt Brie werden sie möglicherweise stärker auf heimische Produkte wie Cheddar ausweichen. Der französische Champagner wird dann durch britischen Schaumwein ersetzt. Vor völlig leeren Regalen sollten sie also in Zukunft nicht stehen.

Käseplatte.
© Imago Images | Chromorange

Trotzdem befürchten die Ministerinnen und Minister als auch Supermarktkonzerne Panikkäufe der Briten. Hinzu kommt: Viele der Warenlager sind seit einiger Zeit voll, weil der Brexit erst angesetzt und dann wieder verschoben wurde.

Keine Lagerung für frische Lebensmittel

Auf der anderen Seite lassen sich gerade die frischen Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Fleisch nicht ewig zwischenlagern. Auch gibt es die Sorge, Lkw mit Lebensmittel könnten zukünftig an den Grenzübergängen im Stau stehen inmitten von anderen Lkw mit Warenlieferungen. Bei einem "No Deal" könnte es knapp werden mit EU-Produkten in britischen Supermarktregalen.