Gesund oder nicht? Tests liefern die Antwort. Deswegen sind sie bei der weiteren Eindämmung von Covid-19 so wichtig. Die Bundesregierung möchte noch deutlich mehr testen lassen. Mit der vorhandenen Methode wird das schwierig, sagt die Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori.

Update: Ein aktuelleres Gespräch mit der Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori zu den Testkritierien bei Sars-CoV-2 findet ihr hier. Der folgende Text ist auf dem Stand vom 22.04.2020.

Die große Koalition plant weitere Gesetze zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Ein Gesetzesentwurf sieht vor, wöchentlich bis zu viereinhalb Millionen Menschen zu testen. Bisher ist der Entwurf nicht öffentlich. Die Kosten für die Tests sollen die gesetzlichen Krankenkassen tragen. Ziel ist, verstärkt symptomunabhängig zu testen, also bevor Menschen Symptome von Covid-19 zeigen. Bislang wird nur getestet, wer Symptome zeigt, Fieber und trockenen Husten beispielsweise.


Nach dem Willen der Koalition sollen Labore von Tierärzten herangezogen werden, um die Testkapazität zu steigern. Bei den Tests geht um PCR-Tests, mit denen man feststellt, ob jemand Sars-CoV-2 in sich trägt. Die Abkürzung steht für Analyse mittels Polymerase-Kettenreaktion.

Gute Idee, schwierige Umsetzung

Material eines Rachenabstrichs oder auch das, was jemand aushustet, wird auf Virusmaterial untersucht. Derzeit können laut Robert Koch-Institut wöchentlich 730.000 solcher Tests durchgeführt werden. Die Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori hält die massive Erhöhung der Testzahlen für eine gute Idee – besonders dort, wo sich relativ viele Menschen aus Risikogruppen sammeln.

"Es wäre dringend notwendig, in Krankenhäusern und Pflegeheimen mehr und häufiger zu testen, beispielsweise alle zwei Tage – Personal und Bewohner."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin

Die angestrebte Steigerung der Testzahlen bewertet Christina Sartori als erstaunlich hoch – wegen der Materialknappheit.

Reagenzien sind knapp

Christina Sartori sagt: "Jetzt schon klagen Labore, dass die benötigten Reagenzien knapp werden." Der Bedarf sei weltweit so hoch, dass – diese nicht mehr so einfach nachbestellt werden könnten. Das gelte sogar auch für Abstrichstäbchen.

"Solange es kein anderes Testverfahren gibt, dass andere Reagenzien verwendet, verstehe ich nicht, wie die Kapazitäten so derart stark erhöht werden sollen."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin

An alternativen Verfahren wird gearbeitet. Das wären sogenannte Antigen-Tests. Dabei wird nicht das Erbmaterial vom Virus nachgewiesen, sondern auf eine Art Antikörper gegen das Virus getestet: Befindet sich Virus in der getesteten Lösung, dockt es an diesen Antikörper an – und führt zu einem ablesbaren Signal.

"Man hört, dass demnächst solche Antigen-Tests auf den Markt kommen, das würde die Situation nochmal verändern."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin