Tschüss ich bin weg - für länger. Das dachte sich die Kirchenmalerin Theresa Amrehn nach ihrer Ausbildung. Die Walz machte sie nicht nur zur Profitramperin, unterwegs hatte sie auch ihr Coming-out.

Besonders der Bannkreis auf der Walz war für Theresa Amrehn reizvoll. Also die Grenze um den Heimatort, über die die reisenden Handwerker für die Dauer der Walz nicht zurück dürfen. Einfach so von zu Hause weggehen, hätte für Theresa den Zwang bedeutet, ihre Familie regelmäßig zu besuchen. Und gerade das ist auf der Walz eben verboten: "Mich hat das Mystische gelockt, was dahinter steckt. Das kam mir ein bisschen geheimbündlerisch vor. Ich fand das interessant", sagt sie.

Nach Übernachtung fragen müssen

Eine weitere Regel auf der Walz sagt, dass Geld nicht für Fortbewegung oder Übernachtung ausgegeben werden darf. Theresa Amrehn musste immer fragen, um irgendwo Übernachten oder Mitfahren zu dürfen. Als sie im November losging, war es arschkalt. Dadurch hat sie die Scheu, aktiv auf Leute zuzugehen, aber ziemlich schnell verloren. Sie fand es gut im Winter zu starten: "Ich lerne Hardcore und kann dann abflachen."

Handwerkerin und Buchautorin Theresa Amrehn und DRadio-Wissen-Moderatorin Tina Kießling

Frauen sind seltener auf der Walz als Männer, "ausgegangen wird ungefähr von zehn Prozent Frauenanteil", weiß Theresa Amrehn. Unterwegs hat sie sich in eine Köchin verliebt. Das war für sie nie ein Problem. Die Walz sei ein kleines, eigenes Universum mit eigenen Gruppen, "auch die, mit anderen sexuellen Erfahrungen", sagt sie. Da war niemand überrascht über ihr Coming-out. Die konservativen Schächte haben da schon eher ein generelles Problem mit Frauen auf Wanderschaft, sagt sie. Die größten Probleme hatte sie aber mit Übergriffen beim Trampen. Danach zweifelte sie. Aber nur kurz.

"Wenn ich ein neues Buch brauche, gehe ich zum Buchbinder. Wenn ich eine neue Kluft brauche, gehe ich zum Schneider: Ich möchte, dass jemand mein Handwerk respektiert, deswegen respektiere ich auch andere."
Handwerkerin und Buchautorin Theresa Amrehn

Auf ihrer Wanderschaft war sie in verschiedenen Betrieben. Immer wieder musste sie sich menschlich neu einfinden und fachlich überzeugen. Über diese Zeit hat Theresa Amrehn das Buch "Königin der Landstraße" geschrieben. Ihr nächste Herausforderung: eine Umschulung zur Karosseriebauerin.

"Das Positive auf Wanderschaft ist, ich gehe wieder aus einem Ort weg und lässt die Ereignisse dort zurück. Das muss niemand mitbekommen."
Handwerkerin und Buchautorin Theresa Amrehn