Da hilft nur SIM-Karte raus: Wenn das Bundeskriminalamt oder die Polizei uns orten wollen, nutzen sie dafür gerne mal eine SMS. Super simpel und ganz geräuschlos.

Die stille SMS funktioniert so: Einer verdächtigen Person wird eine Nachricht aufs Mobilgerät geschickt. Diese wird aber nicht angezeigt und auch im Handy nicht gespeichert. Mit der Übermittlung bekommen die Sicherheitsbehörden dann Hinweise darauf, wo sich die gesuchte Person aufhält. Denn immer, wenn sie eine stille SMS verschicken, wird vom Mobilfunkbetreiber registriert, wo das angepeilte Handy gerade ist. Je mehr SMS, desto genauer wird das Bewegungsprofil der Verdächtigten.

Ortungsverfahren per SMS

Das BKA hat 2015 in der zweiten Jahreshälfte über 110.000 solcher stillen SMS verschickt - und damit ungefähr fünf Mal so viele wie in der ersten Jahreshälfte. DRadio-Wissen-Reporter Alexander Franz hat sich das Verfahren genauer angesehen.

"Mit stillen SMS können die Behörden, also BKA , Polizei oder Verfassungsschutz, sehr genau herausfinden, wo ein Verdächtiger gerade ist."
DRadio-Wissen-Reporter Alexander Franz

Bei guter Netzabdeckung kann mit stillen SMS eine Ortung auf ein paar Meter genau funktionieren. Nur Nerds könnten übrigens davon etwas merken, meint Datenschutzexpertin Constanze Kurz. Wer sich mit GSM, also dem "Global System for Mobile Communications" auskennt, hätte eine Chance, sich irgendwie zu wehren. Die einzige Lösung für Laien: SIM-Karte raus.

"Nur echte Techniknerds könnten da wahrscheinlich was merken."
Datenschutzexpertin Constanze Kurz vom Chaos Computer Club

Natürlich gibt es aber ein paar Hürden, bevor die Polizei loslegen darf: Die Staatsanwaltschaft muss die Ortung beantragen und ein Richter muss zustimmen. Für eine andere unbemerkte Ortungsmethode sind die Hürden noch höher: Die Funkzellenabfrage darf laut Strafprozessordnung nur dann eingesetzt werden, wenn eine Straftat von "erheblicher Bedeutung" vorliegt. Sie wird deshalb deutlich seltener angewendet als die stille SMS. Grund für die hohe Anzahl an stillen SMS waren 2015 vor allem Verdächtige aus Syrien und Irak.

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Kritiker, wie der Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko von den Linken, halten das Ortungsverfahren per SMS für rechtswidrig und fordern, dass überwachte Personen über den Vorgang informiert werden sollten und auch die Öffentlichkeit über alle stillen SMS aufgeklärt werden soll.