Die Belästigungs- und Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Hollywoodproduzenten Harvey Weinstein haben einen internationalen Aufschrei ausgelöst - #MeToo zieht immer weitere Kreise.

Vor etwa einer Woche hatte die US-Schauspielerin Alyssa Milano den Hashtag #MeToo gestartet und noch immer befindet er sich in der Liste der Trending Topics. Auch die schwedische Außenministerin Margot Wallström hat sich an der Kampagne beteiligt und einen #MeToo-Post auf Facebook veröffentlicht. Sie sagte, sie habe sexuelle Gewalt "auf höchster politischer Ebene" erlebt und sei in ihrem Amt Opfer von sexueller Belästigung geworden. Die Außenministerin fordert schärfere Gesetze, um Frauen besser vor sexualisierter Gewalt zu schützen.

In Deutschland hat der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, das Thema aufgegriffen und daran erinnert, dass in Deutschland jede siebte Person sexuelle Gewalt in ihrer Kindheit oder Jugend erfahren hat. Auch Rörig ist der Meinung, dass sich da etwas ändern müsse.

Während #MeToo auf der Politikseite ankommt, sind im Netz schon längst neue Hashtags entstanden, die das Thema aufnehmen und weiterdrehen. In Frankreich zum Beispiel haben Frauen #balancetonporc (übersetzt: Verpfeif Dein Schwein) ins Leben gerufen. Die Urheberin ruft also wirklich dazu auf, die Täter öffentlich zu denunzieren. Ihr war #MeToo viel zu defensiv. Genannt wird zum Beispiel Gilbert Rozon, Produzent einer Talentshow im französischen Fernsehen.

Der australische Journalist und Drehbuchschreiber Benjamin Law hatte die Idee zu einem anderen Weiterdreh: #HowIWillChange. Unter diesem Hashtag sollen sich Männer einbringen (viele haben auch bei #MeToo mitgetwittert) und Ideen oder gute Vorsätze verbreiten, wie sich Männer weniger sexistisch verhalten könnten. Benjamin Law selber will zum Beispiel Täter anzeigen und regelmäßig an Frauenhäuser spenden. Andere Männer twittern, dass sie einfach mal zuhören wollen, wenn Frauen von sexuellen Übergriffen berichten oder dass sie nicht mehr über sexistische Witze lachen - auch nicht aus Höflichkeit.

#MeToo hat eine große Reichweite, ist aber natürlich nicht der erste Hashtag, der sich gegen sexualisierte Gewalt richtet. Anne Wiezorek hatte 2013 zusammen mit anderen Frauen den #Aufschrei initiiert. Und auch die #MeToo-Bewegung gab es bereits bevor Alyssa Milano sie im Zusammenhang mit dem Weinstein-Skandal verbreitet hat.

Die afroamerikanische Aktivistin Tarana Burke hatte sie vor mehr als zehn Jahren angestoßen. Burke ist die Leiterin von Girls for Gender Equity, einer New Yorker Organisation, die sich für die Rechte junger schwarzer Frauen einsetzt. Der #MeToo geht auf ein persönliches Erlebnis von Burke zurück. Als Betreuerin in einem Jugendcamp hatte ein Mädchen ihr davon erzählt, dass sie vom Freund der Mutter missbraucht wird.

Burke war damals einfach nur schockiert und sprachlos. Sie konnte dem Mädchen nicht helfen, weil die Situation für sie selbst sehr belastend war. Im Nachhinein hatte sie sich gewünscht, sie hätte dem Mädchen damals zugeflüstert, was sie in dem Moment dachte: Ich auch. Me too.