Viele Patient*innen und wenig Geld: Hausärztin Annedore Mette geht davon aus, dass gut 15 Prozent ihres Budgets im kommenden Jahr wegfallen. Sie wird ihre Praxis wohl wochenlang schließen, sagt sie.

2100 Patientinnen und Patienten waren im vierten Quartal 2022 in ihrer Praxis. Ihr Budget im nächsten Quartal reiche nur für 1700 Personen, sagt Hausärztin Annedore Mette. Grund dafür sei die Abschaffung der gesetzlichen Neupatientenregelung im Januar 2023, sagt die Ärztin. Sie ist seit sieben Jahren im Wedding in Berlin niedergelassen.

"Ich habe es durchgerechnet. Wir sind da bei weit über 15 Prozent, die uns fehlen."
Annedore Mette, Hausärztin, über die von Januar 2023 geltende Neupatientenregelung

Der Gesetzgeber gehe davon aus, dass nur 1 Prozent des hausärztlichen Budgets durch die Abschaffung der Regelung wegfalle. Nach Ansicht des Bundesgesundheitsministeriums habe die Neupatientenregelung nur auf dem Papier bestanden. Bestandspatient*innen seien häufig als Neupatient*innen geführt worden.

15 Prozent Budgetverlust für die Hausarztpraxis

Nach Annedore Mettes Rechnung bedeutet die Streichung der Regelung eine Budgetkürzung von weit mehr als 15 Prozent.

"Wir haben eine Behandlungspflicht für Notfallpatienten. Das sind aber keine Fieberpatienten. Das ist der Patient mit einem Herzinfarkt. Alle anderen werden wir wahrscheinlich abweisen müssen."
Annedore Mette, Hausärztin in Berlin

Auch wenn das aktuelle Quartal das mit Abstand patientenstärkste war, rechnet Annedore Mette damit, ihre Praxis für zwei bis drei Wochen schließen zu müssen. Dann sei sie nur noch in der Pflicht, Notfallpatienten zu behandeln.

Bereitschaft und Leichenschau

Statt die Praxis zu öffnen, plant sie, kassenärztliche Bereitschaftsdienste zu übernehmen und Leichenschaudienste, auch um ihre Angestellten überhaupt bezahlen zu können.

"Wir waren wirklich am Limit, eigentlich drüber. Wir merken, dass mehrere Infektwellen aufeinandertreffen."
Annedore Mette, Hausärztin in Berlin

Sie bitte Patientinnen und Patienten darum, sich zu beschweren. Diese könnten sich an die Kassenärztliche Vereinigung und direkt an das Bundesgesundheitsministerium wenden. "Der Hausärzteverband tut sein Bestes, aber er wurde nicht gehört", berichtet die Ärztin.

  • Moderation:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartnerin:  Annedore Mette, Hausärztin in Berlin