West-Berlin in den 70er Jahren, das klang nach großer Freiheit und viel Leerstand. Hanno Hochmuth hat sich angeschaut, wie sich die Berliner Hausbesetzerszene von Hippies und Revoluzzern entwickelt hat.

Hausbesetzer ziehen da ein, wo sonst niemand wohnt. In vergessene Gebäude, aber auch solche, die abgerissen, verkauft, saniert werden sollen.

Hanno Hochmuth, Assistent der Direktion am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam, hat sich in seiner Doktorarbeit über Öffentlichkeit und Privatheit mit der Hausbesetzerszene in Berlin befasst. Seine Forschung beginnt mit dem Jahr 1961. Hier ging es langsam in West-Berlin los, allerdings zunächst nicht mit Wohnhäusern, sondern öffentlichen Gebäuden.

Legendär wurde 1971 das besetzte "Rauchhaus", eigentlich ein Schwesternwohnheim. Der gleichnamige Song von Rio Reiser wurde schließlich zur Hymne der Hausbesetzerszene. Und die nahm Fahrt auf.

In den 70ern als Westberlin noch das wilde Eiland mitten in der DDR war, waren es vor allem alternative Jugendliche, die sich dort ein neues Zuhause suchten. Viele wollten damals der Wehrpflicht entgehen. Und sie wollten Freiheit.

Damals war das noch in Kreuzberg möglich als absolut randständiger Bezirk, erzählt Hanno Hochmuth. "Sie fingen 1970 und 1971 erstmal mit ehemaligen Krankenhäusern an und begannen zehn Jahre später mit der massenhaften Besetzung von leer stehenden Wohnhäusern."

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Vor allem mit den leerstehenden Häusern von Privatpersonen hatten sie oft einen guten Fang gemacht. Denn die wollten lieber abwarten, bis sich der Neubau lohnte. Daran die alten Häuser zu erhalten, hatten sie kein Interesse und überließen den Leerstand seinem Schicksal - beziehungsweise den Besetzern.

"Oft hatten die Privatleute kein Interesse, dass ihre Häuser neu bezogen werden. Denn in den 70ern war ganz Kreuzberg noch in der Erwartung einer kompletten Sanierung."
Hanno Hochmuth

Allerdings waren sich die Hausbesetzer nicht immer einer Meinung: Es gab die "Instandsetzer", die das Haus inklusive Wasser, Strom wieder fit machen wollten. Ihr Ziel: legal im Haus zu wohnen. Und zum anderen gab es die autonomen Hausbesetzer. Ihnen ging es um politische Grundsatzfragen - und sie wollten sich von den Instandsetzern unbedingt abgrenzen.

"Gleichzeitig zum Leerstand gab es damals einen extremen Wohnungsnotstand in Berlin, und der wurde von den jungen Leuten kreativ genutzt."
Hanno Hochmuth

Auseinandersetzungen von Linksautonomen mit der Polizei gab es zuletzt auch in der Rigaer Straße 94 in Berlin. Das Haus ist seit 1990 besetzt. "Die Argumente sind im Prinzip die gleichen wie 1980", sagt Hanno Hochmuth. Es geht um Kampf für bezahlbare Mieten, den Kampf gegen Kapitalismus und Gentrifizierung.

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