Tierarztkosten kommen für viele Haustierhalter*innen oft unerwartet auf sie zu und können je nach Behandlung plötzlich in die Höhe schnellen. Manche sparen etwas Geld an, andere schließen eine Haustier-Krankenversicherung ab, um die Behandlungen bezahlen zu können.

Impfungen, Allergien, Extraktion von Fremdkörpern, die sich in Nase oder Ohr verfangen haben, Milbenbefall, Epilepsie, Schnitte, Brüche, Verkehrsunfälle, Tumore oder Kreuzbandrisse – das sind nur ein paar der möglichen Behandlungen, die auf Haustierhaltende zukommen können.

Vor allem diejenigen, die sich zum ersten Mal eine Katze, einen Hund oder ein anderes Tier anschaffen, denken nicht an hohe Kosten für eine Tierarztbehandlung. Nach der gekauften Grundausstattung und dem Futter fürs Tier, denken viele, dass sie damit den größten Teil der Kosten abgedeckt haben.

"Dobbys erste Kreuzband-OP hat so etwa 1900 Euro gekostet. Jetzt ist sein linkes Kreuzband gerissen. Das hat dann nochmal 2300 Euro gekostet."
Meike, Halterin von Hund Dobby

Vor allem Haustiere, die auch außerhalb des Hauses gehalten werden, beispielsweise Hunde und Freigänger-Katzen, haben eine erhöhte Verletzungsgefahr. Hunde flitzen in großen Tempo über Stock und Stein und der 'unnatürliche' Feind der Katze ist der Straßenverkehr.

Aber selbst für ein gesundes Haustier sollte man gewisse Kosten einplanen, sagt Tierarzt Ralf Unna. Er schätzt, dass wir für eine gesunde Hauskatze im Durchschnitt rund 20 Euro monatlich für Tierarztkosten einkalkulieren sollten, wenn wir durchschnittlich einmal im Jahr einen Tierarzt konsultieren. Bei einem Hund geht Ralf Unna je nach Gewicht vom doppelten Betrag aus.

Für Kaninchen, Fische, Wellensittiche und andere Kleintiere zahlen wir in der Regel deutlich weniger – unerwartet hohe Kosten kommen bei ihnen seltener vor.

Ab Oktober: Behandlungen können teurer ausfallen

Künftig könnten diese Ausgaben höher ausfallen, da ab Oktober die Gebührenordnung der Tierärzte, also die Richtlinie, nach der Behandlungen abgerechnet werden, angehoben wird.

"Eine Katze, die vom Auto erwischt wird und entsprechend chirurgisch versorgt werden muss, kann ganz schnell Kosten von über 2000 Euro produzieren."
Ralf Unna, Tierarzt

Vielen sei es nicht möglich, das Geld für die Behandlungen aufzubringen, manche würden sich dann dafür entscheiden, das Haustier im Tierheim abzugeben, sagt Ralf Unna.

OP- oder Unfallversicherung fürs Haustier

Wer das nötige Geld nicht hat, könnte sich mit einer Haustier-Krankenversicherung gut für den möglichen Krankheitsfall oder einen Unfall absichern.

Allerdings ist es dabei wichtig, sich früh genug darüber zu informieren. Denn viele Krankenverischerungen akzeptieren keine Haustiere, die ein bestimmtes Alter überschritten haben. Auch die Leistungen können sehr unterschiedlich ausfallen.

Neben Komplettversicherungen gibt es auch reine OP- oder Unfallversicherungen. Sowohl die Verbraucherzentrale als auch Ralf Unna halten Letzteres für die bessere Alternative.

"Können wir uns das leisten, wollen wir uns das leisten? Das müssen wir uns nicht fragen, weil die Versicherung zahlt.“
Hundehalterin Stephanie hat eine Vollversicherung für ihre Hündin abgeschlossen

Manche Kosten werden von einigen Versicherungen zudem gar nicht abgedeckt. Dabei handelt es beispielweise um gesundheitliches Problem, die sich auf ein bestimmtes Merkmal zurückführen lassen, das einer Rasse angezüchtet wurde.

Gesundheitliche Probleme durch angezüchtete Merkmale

Ralf Unna nennt als Beispiel die flache Schnauze bei Möpsen. Diese kann zu Schwierigkeiten beim Atmen führen. Daher ist bei bestimmten Haustierrassen schon der monatliche Grundsatz einer Versicherung sehr hoch, weil sie eher zu bestimmten Erkrankungen neigen als andere Rassen.

Bei vielen Versicherungen müssen Halter*innen von Haustieren auch in Vorkasse gehen und die Rechnung dann selbst einreichen. Andere Versicherungen rechnen wiederum direkt mit den Tierarztpraxen ab.