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Das Gift von Spinnen könnte in Zukunft der Medizin und auch Landwirtschaft helfen. Die unterschiedlichen Spinnengifte sollen zum Beispiel die Folgen eines Schlaganfalls abmildern und auch Baumwoll- und Maisfelder vor einem Insektenbefall schützen.

Angst, das verbinden einige Menschen in erster Linie mit Spinnen. Diese krankhafte Angst wird Arachnophobie genannt. Spinnen können uns aber auch nutzen – besonders die giftigen unter ihnen wie die Trichternetzspinne von Darling Downs.

Mit Gift gegen Hirnschäden

Diese australische Spinne ist eine der giftigsten der Welt. Ein Kind kann durch einen Biss von ihr innerhalb von 15 Minuten ums Leben kommen. Das Gift der Trichternetzspinne kann aber helfen, Hirnschäden nach einem Schlaganfall zu verringern. Das haben Forschende der University of Queensland vor einiger Zeit herausgefunden.

Möglich ist das über das Eiweißmolekül Hi1a. Im menschlichen Gehirn blockiert das Protein die Ionenkanäle, die während eines Schlaganfalls dauerhaft aktiv sind. Ohne das Protein würden Nervenzellen als Folge absterben.

Wird das Protein den Menschen, die einen Schlaganfall hatten, schnell genug verabreicht – möglichst noch im Krankenwagen – können schwere Folgen des Schlaganfalls vermieden oder zumindest gemildert werden, erklärt Biologe Mario Ludwig.

Protein noch in der Erforschung

Eine Schutzwirkung von bis zu acht Stunden soll das Protein haben. Und es bietet auch Schutz für die zentrale Gehirnregion, die bei einem Schlaganfall am stärksten vom Sauerstoffmangel getroffen wird. Diese Hirnregion ist sonst wegen des schnellen Absterbens der Zellen bei Schlaganfällen kaum zu heilen.

"Weltweit sterben jedes Jahr sechs Millionen Menschen an einem Hirnschlag und fünf Millionen Überlebende leiden unter bleibenden Schäden."
Mario Ludwig, Biologe

Bis das Eiweißmolekül Hi1a bei Menschen zum Einsatz kommt, werden aber noch einige Jahre vergehen, vermutet Mario Ludwig. Bisher wurde das Protein erst an Ratten, aber noch nicht an Menschen getestet.

Spinnengift als Insektizid

Neben seinem Nutzen für die Medizin könnte Spinnengift auch einmal der Landwirtschaft helfen. Ein weiteres Team von Forschenden der University of Queensland hat herausgefunden, dass das Gift einer großen Vogelspinnenart mit dem Namen Selenotypus plumipes auch als Insektizid nutzbar ist.

Laut den Forschenden wirkt es gegen Baumwoll-Kapseleulen. Die Raupen dieser Nachtfalter sorgen in südlichen Ländern für große Schäden auf Baumwoll- und Maisfeldern.

Das Gift der Vogelspinne, das Peptid OAIP-1, soll sogar wirksamer sein als viele synthetische Insektizide, schreiben die Forschenden. Sie konnten das Spinnengift zudem synthetisch im Labor herstellen. Danach könnte es für die Landwirtschaft auch in großen Mengen als Insektizid produziert werden. Zumal es bei Temperaturen von bis zu 30 Grad mindestens eine Woche stabil bleibt. Damit erfüllt es eine entscheidende Voraussetzung für wirksame Insektizide.

Unser Bild zeigt eine Trichternetzspinne in den Niederlanden. Sie gehört zur Familie der Agelenidae. Die giftige Trichternetzspinne von Darling Downs aus Australien, um die es im Text geht, gehört zur Familie der Atracidae. Das Bild ist ein Symbolbild.