Könnten wir in Zukunft über ein Gerät am Backenzahn telefonieren? Eine Technologie dafür gibt es jedenfalls schon: In den USA testen Militär und Feuerwehr das Molar Mic.

Wir haben es alle schon erlebt: Da geht eine Person vor uns oder sitzt uns in der U-Bahn gegenüber und spricht scheinbar mit sich selbst – bis wir das Headset im Ohr sehen. In den USA wurde ein Gerät entwickelt, das gar nicht mehr sichtbar ist: das Molar Mic. Unser Deutschlandfunk-Nova-Reporter Johannes Döbbelt hat sich dieses neue Mikro genauer angeschaut. 

Molar Mic, ein Backenzahn-Mikro, ist schwarz, wasserdicht, ungefähr so breit wie zwei Backenzähne und kann an den Zähnen befestigt werden. Es funktioniert ähnlich wie ein Bluetooth-Headset: Nutzer können über das Molar Mic hören, aber auch sprechen. 

Backenzahn-Mikro überträgt Vibrationen auf Kiefer

Wenn die Nutzer sprechen, nimmt das kleine Gerät am Backenzahn alles auf und leitet die Informationen weiter an eine Art kleines Halsband, das ebenfalls getragen werden muss. Das Halsband leitet die Informationen dann weiter an das Endgerät, zum Beispiel ein Smartphone in der Tasche.

Umgekehrt wird der Sound, den der Nutzer hören soll, über den Kiefer übertragen. Gehört wird über die sogenannte Knochenleitung: Das Molar Mic hängt am Kiefer und vibriert, diese Vibrationen werden dann automatisch auf die Schädelknochen übertragen und von dort aus weiter ins Innenohr. Der Klang unterscheide sich zwar etwas von klassischen Kopfhörern, sagt Johannes, aber es sei trotzdem gut verständlich.

Das klingt ein bisschen anders als, wenn du einen Kopfhörer aufhast. Etwas mehr Höhen sind mit drin im Sound, aber trotzdem gut verständlich.
Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die Technik existiert schon länger, es gibt beispielsweise auch sogenannte Knochenschall-Kopfhörer. Die funktionieren ganz ähnlich: Sie sitzen auch nicht auf den Ohrmuscheln, wie klassische Kopfhörer, sondern kurz davor auf den Schläfen, die die Vibrationen dann weiter ins Ohr leiten. 

Im Mund ist Lärm deutlich leiser

Das US-amerikanische Unternehmen Sonitus entwickelt die Molar Mics für das Militär dort. Das Ziel: Die Soldaten sollen sich in lauten Umgebungen gut verständigen können, zum Beispiel bei Einsätzen mit dem Hubschrauber oder beim Fallschirmspringen. Denn im Mund ist es deutlich leiser – Umgebungslärm ist also nicht so störend, wie wenn das Mikro vor dem Mund hängt.

Getestet wurden die Backenzahn-Mikros auch schon: Von den Fallschirmspringern des Militärs und von einer Feuerwehr aus Foster City in Kalifornien. Feuerwehrleute sind bei ihren Einsätzen ebenfalls oft Lärm ausgesetzt, gleichzeitig ist es sehr wichtig, dass sie gut miteinander kommunizieren können.

"Das Mikro blendet Geräusche aus. Dieses Gerät ist einfach großartig, so was hab ich in 27 Jahren bei der Feuerwehr noch nicht gesehen."
Mike Keefe, Chef der Feuerwehr in Foster City in Kalifornien (Übersetzung aus Video)
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Die Feuerwehrleute haben für den Test mehrere Kettensägen im Raum laufen lassen, wie ein Video im Netz zeigt. Zuerst haben sie über das Funkgerät versucht, mit der Leitstelle zu telefonieren – was nicht erfolgreich war. Dann haben sie bei gleicher Lautstärke nochmal ausprobiert, mithilfe des Backenzahn-Mikros zu kommunizieren. Das hat geklappt. Mike Keefe, der Chef der Feuerwehr in Foster City, schien im Video des Entwickler-Unternehmens ziemlich begeistert, sagt Johannes. 

Vorerst soll das Molar Mic nur für das US-amerikanische Militär entwickelt werden – Sonitus hat dafür viel Geld vom US-amerikanischen Verteidigungsministerium erhalten. Aber der Test der Feuerwehrleute zeigt, dass es in Zukunft durchaus sinnvoll sein könnte, die Technik auch in anderen Bereichen, wie eben der Feuerwehr oder bei Bergrettern einzusetzen.