Im Stadion von Yokohama findet heute trotz Coronavirus-Pandemie eine Großveranstaltung statt: Bis zu 34.000 Zuschauer werden erwartet. Das Ganze ist ein Test für die Olympischen Spiele nächstes Jahr.

Ein Stadion randvoll mit Fans - das hat es in Deutschland schon viele Monate nicht mehr gegeben. Und das wird wohl auch erst mal so bleiben. In Japan ist das anders, dort - genauer gesagt im Stadion von Yokohama - wird ab dem 30. Oktober 2020 für die Olympischen Spiele im kommenden Jahr getestet.

Wegen Corona werden diese ja zeitversetzt nachgeholt, vom 23. Juli bis zum 8. August 2021 in denselben Sportstätten. Das Yokohama Stadium (unser Bild oben) ist eine davon, hier werden die Baseball- und Softball-Wettkämpfe ausgetragen.

Baseball schauen als Olympia-Test

Die Testzuschauer im Stadion von Yokohama schauen sich ebenfalls Baseball an, und zwar ihr populäres Heimteam, die Yokohama Baystars aus der japanischen Profi-Baseballliga. Die Veranstaltung ist der Beginn einer drei Tage dauernden Testserie, berichtet die ARD-Korrespondentin Kathrin Erdmann. Die Zuschauerzahl wird in den drei Tagen immer weiter erhöht, von 80 Prozent Auslastung zu Beginn bis hin zu 100 Prozent, das wären dann 34.000 Menschen.

Vor und während der Veranstaltung werden verschiedene Messungen durchgeführt:

  • Wärmebildkameras und Warnblinkanlagen sind aufgestellt
  • Von jeder Besucherin und jedem Besucher wird die Temperatur gemessen
  • Es wird kontrolliert, ob wirklich alle eine Maske tragen
  • Dichte und Ballungszentren der Menschenströme werden ermittelt

Nachdem die Daten erhoben worden sind, werden Computer alles auswerten, um daraus Erkenntnisse für einen möglichst geregelten - und sicheren - Ablauf der Spiele zu gewinnen.

Neuralgische Punkte im Stadion

Die Vorbereitungen laufen "generalstabsmäßig", sagt Kathrin Erdmann. Nur eine begrenzte Anzahl von Journalistinnen und Journalisten sei zugelassen, sie selbst zum Beispiel leider nicht. Eine vergleichbare Situation habe es noch nicht gegeben, die Japaner seien quasi Vorreiter.

"Die Japaner haben das Problem, dass es sowas ja noch nicht gab. Sie sind da Vorreiter."
Kathrin Erdmann, ARD-Korrespondentin in Tokio

Weder die Zuschauenden noch die Athletinnen und Athleten sollen gefährdet werden. Dafür muss vieles ausprobiert werden: Der Test im Yokohama Stadium ist nur einer von vielen, berichtet Kathrin Erdmann. Vergangene Woche habe es zum Beispiel auch Tests im Konferenzzentrum von Tokio gegeben. Aktuell werde dort über eine Gesichtserkennung nachgedacht. Auch die Frage, wie es bei der Einlasskontrolle zu schaffen ist, die Abstände einzuhalten, sei zu klären.

Sehr wenig Tests: Unklare Corona-Lage in Japan

Angst, dass Testveranstaltungen wie die mit den tausenden Menschen im Stadion zu Superspreader Events werden könnten, gibt es in Japan scheinbar weniger. Die Corona-Lage sei, wie eigentlich schon seit einem Jahr, am besten mit dem Satz "Nichts Genaues weiß man nicht" zusammenzufassen, sagt Kathrin Erdmann.

"Die Corona-Lage in Japan? Nichts Genaues weiß man nicht. Es wird sehr wenig getestet."
Kathrin Erdmann, ARD-Korrespondentin in Tokio

Am 29. Oktober sei in Japan die Grenze von 100.000 Infizierten geknackt worden. Pro Tag, so die offiziellen Zahlen, gibt es im ganzen Land unter tausend Neuinfektionen. Mit durchschnittlich 20.000 am Tag sei die Zahl der Tests aber im Verhältnis zu vielen anderen Ländern äußerst niedrig, so Kathrin Erdmann. Die Zahlen müsse man also mit äußerster Vorsicht betrachten. Die Hürden, um einen Test zu machen, seien nach wie vor hoch. Mit 400 Euro sei der Test zudem extrem teuer.

400 Euro kostet ein Coronatest in Japan

Wie sich die Lage entwickeln wird, kann aktuell noch niemand mit Sicherheit sagen. Stand jetzt soll Olympia 2021 auf jeden Fall stattfinden. Das hat auch Yoshihide Suga, Japans neuer Premierminister, zuletzt bestätigt. Im November kommt IOC-Chef Thomas Bach nach Tokio, um sich ein Bild der Lage zu machen.

Wer Tickets für Olympia 2020 erworben hat, kann übrigens zwischen dem 10. und 30. November deren Rückerstattung beantragen. Die Eintrittskarten behalten aber ihre Gültigkeit auch für Olympia 2021. Wenn die Spiele denn stattfinden.