Horst Seehofer soll Heimatminister werden. Das sorgt für viel Spott im Netz mit Kommentaren über Schäferhunde, Bierkrüge, Hausmannskost und Lederhosen. Klar ist: Wir verstehen unter Heimat was ganz anderes.

Es gibt inzwischen einen satirischen Twitteraccount unter dem Namen "Heimatministerium", auf dem reihenweise Vorschläge gepostet werden, wie wir unsere Heimat und Kultur pflegen könnten: "Zum Mittagessen empfiehlt das heute deutsche Hausmannskost! Dazu darf es dann auch schon mal ein kühles Bier sein. Wir müssen uns unserer Traditionen nicht schämen." 

Heimat bedeutet uns aber tatsächlich viel - wenn auch nicht unbedingt Knödel, Bier und Schäferhund. Das hat eine Studie herausgefunden.

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Wir haben mit dem Jugendforscher Simon Schnetzer darüber gesprochen, ob Heimat eine Rolle im Leben unserer Generation spielt. Er forscht zu jungen Deutschen und ihren Themen. Für seine Studie hat er über 1200 Deutsche im Alter von 14-39 Jahren befragt, eine Frage war: "Was hat den größten Einfluss auf deine Lebenswelt?"

"Die Heimat zählt zu den fünf wichtigsten Themen. 27 Prozent sagen, Heimat hat einen besonders großen Einfluss."
Simon Schnetzer, Jugendforscher

Spitzenreiter unter den Bundesländern ist bei dieser Aussage Bremen. 44 Prozent der befragten Bremer sagen, bei ihnen spiele Heimat eine besonders wichtige Rolle. 

Jeder hat seinen eigenen Heimatbegriff

Bei der Frage, was denn Heimat für uns bedeutet, kommt oft die Reaktion: "Boah, gute Frage!" Dann rattert es im Hirn, und es kommen viele Assoziationen: Heimat ist ein Gefühl, Heimat ist, wo ich gerade lebe, Heimat ist Familie oder ist ein Sehnsuchtsort. Ganz verschiedene Dinge und Gefühle sind Heimat - individuell verschieden. 

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Für die meisten Menschen unter 40 ist Heimat positiv besetzt, sagt Simon Schnetzer. Das stimme allerdings nicht für Flüchtlinge oder Vertriebene. Ein prägender Einfluss beim Heimatbegriff sei der Zusammenhalt in der Familie. 

"Weil wir immer mehr digitalisierte Beziehungen haben, wird die Familie als Fels in der Brandung der Beziehungspflege immer wichtiger."
Simon Schnetzer, Jugendforscher

Sollten wir tatsächlich ein Heimatministerium bekommen, dann wohl um politisch etwas für die Heimat zu tun. Aber wie soll das gehen, wenn es doch so viele Heimatbegriffe gibt? Simon Schnetzer ist in seine Heimat im Allgäu zurückgekehrt und hat sich die Frage so beantwortet: Wir können unsere Heimat selber lebenswert gestalten.  

"Junge Menschen haben unterschiedliche Lebensentwürfe und man kann dazu beitragen, diese Entwürfe auch in den verschiedenen Heimaten umsetzen zu können."
Simon Schnetzer, Jugendforscher

Klingt abstrakt. Simon Schnetzer nennt als Beispiel seine Firma für Jugendforschung, die er nach dem Studium gegründet hat. Alle haben ihm geraten, das in Berlin zu tun. Er wollte seinen Plan aber im ländlichen Raum, im Allgäu, verwirklichen und hat deshalb erst mal ein Gründerzentrum mit aufgebaut.  

"Ich musste meine Heimat wiedererfinden. Der Schlüssel liegt darin, dass Menschen mit modernen Lebensläufen in ihrer Ursprungsheimat Perspektiven haben können."
Simon Schnetzer, Jugendforscher

Niemand entscheidet allein, ob er in seine Heimat zurückgeht. Da hängen meistens auch Partner, Familie und auch finanzielle Gründe dran. Für Simon Schnetzer ist entscheidend, welche Geschichte die eigene Heimat erzählt. Und da können seiner Meinung nach viele Regionen noch dazu lernen.