Wer heiratet, muss sich in Sachen Nachnamen entscheiden. Bei der Diskussion geht es um mehr als nur um Klang oder Geschmack. Es geht um Gefühle, Tradition, Familiengeschichte - und auch darum, wer sich durchsetzt. Bei Ehen zwischen Männern und Frauen fällt die Wahl immer noch meist auf den Namen des Mannes. Dabei gibt es längst andere Möglichkeiten. 

Bei der Wahl des Nachnamens nach der Hochzeit sind die meisten Deutschen ziemlich oldschool: Nur jeder 16. Mann nimmt den Namen seiner Frau an, zeigt eine aktuelle Studie der „Gesellschaft für deutsche Sprache“. Bis 1976 war es Vorschrift, dass Frauen ihren Nachnamen ablegen und den des Mannes annehmen. Das ist allerdings 40 Jahre her. Mittlerweile gibt es mehr Möglichkeiten - auch durch die gleichgeschlechtliche Ehe. Welcher Name gewählt wird, ist mehr als je zuvor Aushandlungssache.

Keine Schwäche zeigen

Bei Frauen und Männern fällt die Wahl des Ehenamens dennoch recht eindeutig zugunsten der Männer aus. Nur sechs Prozent der Ehepaare entscheiden sich für den Namen der Frau. Alex ist einer der Männer, die jetzt den Nachnamen seiner Frau tragen. Er sagt, bei ihm und seiner Frau Johanna war schnell klar, wie die Entscheidung ausfallen würde. Ihr war ihr Nachname wichtig, und dass ihre Kinder genauso heißen wie sie. 

"Dann war das für mich kein großes Ding zu sagen: Okay, dann verzichte ich auf meinen Nachnamen und nehme ihren an."
Alex hat den Namen seiner Frau angenommen

Zwar hat Alex sich ein paar praktische Überlegungen gemacht: Führt die Namensänderung zu Problemen im Job? Wie wichtig ist der Name für ihn als Selbständigen? Das ließ sich aber schnell klären. "Diese Fragen muss sich eine Frau ja auch stellen, die den Namen ihren Mannes annimmt," sagt Alex. 

Keine echten Doppelnamen

Ganz so geschmeidig wie bei Alex und Johanna läuft die Diskussion um das Thema allerdings nicht immer. Oft geht es bei der Diskussion um mehr, als nur um den schönsten Nachnamen: Es geht um Gefühle, Werte, Tradition, Familiengeschichte - und auch darum, wer am Ende nachgibt. 

Bei Jasha und seinem Mann Michael war die Sache nah dran an einer Grundsatzdiskussion. Eigentlich hatten die beiden die Option Doppelname anvisiert, für die sich etwa zwölf Prozent aller Ehepaare entscheiden. Doch das mit dem Doppelnamen lief nicht so einfach, wie sie gedacht hatten. Einen waschechten Doppelnamen, bei dem beide den gleichen Doppelnamen annehmen, gibt es nämlich nicht mehr. Stattdessen entscheidet sich das Paar bei dieser Option für einen Ehenamen. Einer der beiden kann dann zusätzlich seinen Geburtsnamen als eine Art Begleitnamen behalten. Aber eben nur einer.

"Das hat zu großen Verwerfungen geführt, weil wir uns nicht entscheiden konnten. Und so haben wir dann beide hinterher – ein bisschen beleidigt – gesagt: Okay, dann müssen wir halt jeder unseren eigenen Familiennamen behalten. Leider."
Jasha und sein Mann haben jeweils ihren Namen behalten

Für Erika und ihren Mann kam die Option Doppelname nicht in Frage. Sich von ihrem Nachnamen zu trennen, ist Erika allerdings schwer gefallen. Doch sie sagt, ihr Mann hatte die besseren Argumente: "Er meinte, sonst stirbt seine Familie namentlich aus, wenn wir das jetzt nicht fortführen. Und das wollte ich natürlich nicht. Bei mir wäre es nicht so." Sie hat daher überlegt, ob sie ihren Namen auf andere Weise "behalten" kann. Eine Idee war etwa, ihn sich tätowieren zu lassen.

Vorurteile gegenüber ausländischen Namen

Bei Mirja und Yvonne war die Ausgangssituation eine andere: Beide wollten ihren Nachnamen loswerden, keine von beiden hing besonders am Geburtsnamen. Yvonne nicht, weil sie in der Familie mit Stiefvater und Stiefgeschwistern immer die einzige mit dem Nachnamen ihres leiblichen Vaters war. Mirja hingegen wollte sich nicht mehr mit Vorurteilen gegenüber ihrem persischen Nachnamen konfrontiert sehen.

"Vor allem wenn es um behördliche Termine oder Arzttermine geht. Hörst du dich deutsch an, kriegst du schneller einen Termin. Hörst du dich ausländisch an, wird dann drei mal überlegt, ob du dann wirklich was bekommst."
Mirja über Nachteile aufgrund eines ausländisch klingenden Nachnamens

Am Ende, sagt Yvonne, haben sie eine Lösung gefunden, mit der beide glücklich sind: "Ich hab dann irgendwann gesagt, dann machen wir das so: Ich hab mich immer alleine gefühlt mit meinem Nachnamen. Und dann sind wir jetzt halt zu zweit."

Bei Jasha und Michael wird die Entscheidung mit dem Nachnamen übrigens bald vielleicht noch einmal neu aufgerollt. Ihre eingetragene Lebenspartnerschaft wollen sie in eine Ehe umtragen lassen. Das heißt: Neuer Hochzeitstermin.