Wer in Deutschland Asyl beantragt, muss seine Herkunft eindeutig nachweisen können. Am besten per Pass. Wer das nicht kann, muss die Behörden anders überzeugen.

Esam ist 22 Jahre alt und palästinensischer Syrer aus Damaskus. Aus seinem zerbombten Stadtteil Yarmuk ist er zu uns nach Deutschland geflüchtet. Ohne Reisepass und ohne Personalausweis.

Während seiner ersten Anhörung beim BAMF, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, konnte er deshalb nicht eindeutig seine Herkunft belegen. Seinem so genannten Entscheider blieben Zweifel, ob Esam nicht vielleicht doch aus einem Herkunftsland stammt, das von der Bundesregierung als sicher eingestuft wurde. In dem Fall müsste er wieder zurück nach Hause.

“Ich war da mit meiner Studentenkarte, meinem Militärausweis und meinem Abizeugnis. Aber sie wollten nur meinen Reisepass oder Personalausweis.“
Esam, aus Syrien nach Deutschland geflüchtet

Entscheider beim BAMF müssen überzeugt werden

Vor der Flucht deponieren viele Flüchtlinge ihre wichtigsten Dokumente wie Pass und Ausweis bei Bekannten oder Freunden. Esam hat seine in Istanbul zurückgelassen. Das ist sicherer, als sie auf dem Fluchtweg bei sich zu tragen, weil Schlepper den Flüchtlingen oft alles wegnehmen.

“In Ungarn bringen sie einen um, und klauen ihm dann seine Papiere.“
Esam, aus Syrien nach Deutschland geflüchtet

In den Gesprächen mit den Entscheidern musste Esam von seiner Flucht und von den Kriegserlebnissen in seiner Heimat berichten. Bei Google Maps sollte er den Beamten sogar sein Haus zeigen, um die Fluchtgeschichte glaubwürdiger zu machen.

Esam
© Nail Al Saidi | DRadio Wissen
Esam ist aus Syrien nach Deutschland geflüchtet

In manchen Fällen sind es aber die syrischen Dolmetscher, die während der Gespräche ihre Zweifel aussprechen und die Entscheidung über eine Aufenthaltsgenehmigung in die Länge ziehen.

Dolmetscher überschreiten ihre Kompetenzen

Dolmetscher sind ein Riesenproblem, sagt Heribert Golumbeck, Fachanwalt für Ausländerrecht. Denn eigentlich dürfen sie nur übersetzen und nicht kommentieren oder eigene Wertungen abgeben. Doch das komme immer wieder vor.

Viele Flüchtlinge wie Esam sind Palästinenser, die über Ländergrenzen hinweg in Syrien, Israel, dem Libanon oder Jordanien leben. Da ihre Sprache mit dem Dialekt der jeweiligen Region vermischt ist, dürften nur die wenigsten Übersetzer in der Lage sein, solche Feinheiten überhaupt zu kennen und dann noch richtig deuten zu können.

Im Notfall Gutachten von Sprachschulen

In dem zweiten Gespräch beim BAMF saß Esam einem anderen Entscheider und einem anderen Dolmetscher gegenüber, die seine Aussagen für glaubhaft eingestuft haben. Jetzt besitzt er endlich eine Aufenthaltsgenehmigung und auch wieder seinen syrischen Personalausweis. Der kam nämlich per Post. Von seinem Freund aus Istanbul.