Mit 3500 Exemplaren von "Herr der Ringe" ging J.R.R. Tolkien an den Start. Eine winzige Auflage - die in kürzester Zeit vergriffen war. Heute ist sein Fantasywerk eines der erfolgreichsten Bücher überhaupt und wurde etwa 150 Millionen Mal verkauft.

Viel Vertrauen scheint Tolkien in seinen Roman nicht gehabt zu haben. Die epische Geschichte um den Kampf Gut gegen Böse, um Hobbits, Zwerge, Elben und Menschen gegen Orks und Ringgeister war für den Professor ein Spaß. Ein Hobby, mit dem er sich die Freizeit vertrieben hat. "Tolkien wollte nie den großen Bestseller landen", erklärt der Leipziger Anglistik-Professor Elmar Schenkel, "das hat sich dann halt ergeben." Der Erfolg kam überraschend, aber dafür umso heftiger.

"Herr der Ringe ist Lektüre gegen Burnout"

Tolkien traf mit seiner Fantasysaga einen Nerv und ist bis heute populär, obwohl die Leser von damals und von heute nicht mehr so viel gemein haben. In den 60er-Jahren war der Herr der Ringe zum Beispiel bei den Hippies wahnsinnig angesagt. Wenn Bilbo oder Frodo ihre bürgerliche Heimat verlassen, um ins Unbekannte zu ziehen, Fantastisches zu erleben und dabei auch ihr Pfeifenkraut nicht vergessen, konnten die Hippies sich gut damit identifizieren.

"Im 'Herr der Ringe' wurde der Zugang zu psychedelischen Welten gesehen, obwohl Tolkien damit überhaupt nichts am Hut hatte. Er war zwar Pfeifenraucher, aber kein Psychedeliker."

Es geht in Tolkiens Meisterwerk viel um Entschleunigung. Wer sich mal durch die vielen tausend Seiten gelesen hat und Zeit mit dem endlose Strophen singenden Tom Bombadil verbracht hat, weiß das. Das mag früher eines der Erfolgsrezepte gewesen sein und ist es heute in unserer schnellen, digitalen Welt umso mehr. "Im Grunde ist 'Herr der Ringe' die Lektüre gegen Burnout", sagt Elmar Schenkel.

Keine Entschleunigung im Kino

Als Rausschmeißer gibt es noch den gerade erschienenen Trailer zum dritten Teil von "Der Hobbit". Der kommt Ende des Jahres in die Kinos und wird die Hobbit-Trilogie abschließen. Da ist von Entschleunigung allerdings nicht mehr so viel zu spüren.