Eine neue Studie der Universität Cambridge kommt zum Ergebnis, dass der Musikgeschmack mit Persönlichkeitsmerkmalen einhergeht. Sie bringt sogar bestimmte Songs von Nirvana und David Bowie mit Eigenschaften wie offen oder neurotisch zusammen.

Mit einer Befragung von über 350.000 Teilnehmern aus 53 Ländern auf sechs Kontinenten erforscht eine neue Studie in Großbritannien den Zusammenhang von Persönlichkeit und Musikgeschmack sowie Unterschiede in den einzelnen Ländern.

Die Ergebnisse der Studie aus Cambridge: Es gibt einen Zusammenhang von Persönlichkeitsmerkmalen und Musikgeschmack, aber nicht unbedingt einen kausalen.

  • So sind zum Beispiel Hörer*innen, die Ed Sheerans Popsongs hören, eher extrovertiert.
  • Hörer*innen von Nirvanas Song "Smeels like Teen Spirit", besitzen dagegen tendenziell eher neurotische Charaktereigenschaften.
  • Sozialaktive Menschen stehen eher auf tanzbare Musik.
  • Das Persönlichkeitsmerkmal Offenheit steht in Verbindung mit dem Song "Space Oddity" von David Bowie.

Das Herkunftsland spielt laut der Studie keine Rolle bei der Korrelation von Musikgeschmack und Persönlichkeitsmerkmalen.

Kritik an der Studie

Kai Ginkel, Soziologe an der Uni Graz, kritisiert die Studie. Er hinterfragt, warum es für die Studie keine Rolle gespielt hat, in welcher Generation die Befragten Teilnehmer*innen aufgewachsen sind. So haben Teenager, die Anfang der 90er-Jahre aufwuchsen, schon allein durch ihre Historie einen anderen Bezug zu Nirvana als jüngere Menschen. Kai Ginkel zweifelt an, dass die vielen Millionen Hörer*innen von "Smeels like Teenspirit" eine neurotische Persönlichkeit haben.

Ebenfalls kritisiert der Soziologe, dass ausschließlich mit Beispielen westlicher Popmusik gearbeitet wurde und die Studie damit auch eine westlich zentrierte Perspektive einnimmt.

"Die Menschen mögen durch Geografie, Sprache und Kultur getrennt sein. Aber wenn ein introvertierter Mensch in einem Teil der Welt die gleiche Musik mag wie introvertierte Menschen in einem anderen Teil der Welt, dann deutet das darauf hin, dass Musik eine verbindende Brücke sein kann."
David Greenberg, Universität Cambridge

Musikgeschmack und der Zusammenhang mit der Persönlichkeit war schon häufig Gegenstand der Forschung, zum Beispiel in einer Meta-Analyse von Thomas Schäfer, Professur für Quantitative Forschungsmethoden an der Medical School Berlin. Das Ergebnis: Es ist kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Musikgeschmack und Persönlichkeit zu erkennen.

Thomas Schäfer geht aber davon aus, dass es tatsächlich Faktoren gibt, die den Musikgeschmack beeinflussen: Das Alter einer Person und die persönliche Lerngeschichte.