Angeblich verbringt jeder von uns ein bis zwei Jahre mit warten. Das nervt und stresst! Aber ihr könnt euer Gehirn austricksen und es vom Warten ablenken.

Wir warten überall. Wir warten im Supermarkt, weil der Typ ganz vorne vergessen hat, sein Gemüse abzuwiegen. Wir warten beim Arzt, weil nach dem Wochenende das ganze Viertel irgendwas hat. Wir warten an der Bushaltestelle, weil wieder irgendwo Stau ist. Rumstehen und gar nichts tun ist furchtbar.

Warten ist Machtlosigkeit

Wenn es euch auch so geht: Keine Sorge, es ist ganz normal, beim Warten mehr oder weniger wahnsinnig zu werden. Es gibt sogar eine ganze Reihe von Studien, die belegen, dass wir lange Umwege in Kauf nehmen, um ein paar Minuten Wartezeit zu vermeiden. Der Mensch wartet nicht gerne. "Das liegt daran, dass ich nicht beeinflussen kann, wie es weitergeht", erklärt der Neurobiologe Henning Beck. "Man ist der Situation ausgeliefert und das mag man nicht."

"Wenn man sich auf eine Situation einlassen muss, wo man selber nicht mehr bestimmen kann, wie schnell es weiter geht. Das nervt und quält uns richtig."

Schuld an diesem Zustand ist das Gehirn. Wenn wir warten und nicht auf irgendeine Weise beschäftigt sind, dann werden Hinregionen aktiv, die herumgrübeln und dann die Zeit falsch einschätzen. Es gibt zwar keine Langeweile-Hirnregion, sagt Henning Beck, aber etwas, was er als Grübel-Netzwerk bezeichnet: "Wenn wir warten und nichts tun, dann konzentrieren wir uns auf andere Dinge, vor allem auf unsere eigenen Gedanken." 

Sich mit den eigenen Gedanken zu beschäftigten - das ist für viele kein schönes Gefühl.

Ablenkung muss also sein. Das sieht man ja schon in anderen Situationen: Je langweiliger ein Film ist, den wir uns auf der Couch reinziehen, umso mehr Knabberzeug verputzen wir. Oder spielen am Handy rum. Genau darum hängen in vielen Aufzügen auch Spiegel. Nicht damit wir unser Aussehen noch schnell checken können, sondern damit wir uns einfach nur anschauen können und denken: "Oh, die Zeit geht aber schnell rum, wenn ich mich selber betrachte."

Nicht warten, Geld ausgeben!

Supermärkte, der Ort an dem wir an jeder Kasse viel zu lange warten müssen, benutzen diesen Effekt für ihre eigene Zwecke - und positionieren überteuerte Schokoriegel in Wartenähe, die Quengelware. Da greifen wir dann gerne zu, auch wenn wir keinen Appetit haben. Das ist immer noch besser als gar nichts zu tun.

Es ist gar nicht so einfach, mit dem Warten umzugehen. "Je mehr ich mir einrede, dass es nicht schlimm ist, umso schlimmer wird es", stellt Henning Beck fest. Die einzige wirksame Strategie dagegen ist darum: etwas anderes tun. Dann tricksen wir unser Zeitempfinden aus. Henning Beck empfiehlt ein wenig Kopfkino; stellen wir uns vor, was nach dem Warten passiert. "Je konkreter man sich diese Situation ausmalt, desto eher sind Leute bereit zu warten." 

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