Einfach mal nichts sagen - wenn nicht geredet wird, werden wir schnell nervös. Oder es wirkt fast schmerzhaft wie die stille Rede von Emma Gonzalez.

Emma Gonzalez, Aktivistin und Überlebende des School Shootings in Parkland, spricht bei ihrem Auftritt auf der Großdemo in Washington nur kurz. Sie erinnert an ihre verstorbenen Mitschüler. Dann schweigt sie, über vier Minuten lang. Was dabei auffällt: Viele Zuschauer können diese Stille schwer aushalten. 

Unruhig gegenüber dem Schweigen

Das Publikum direkt vor der Bühne stimmt immer wieder vereinzelte Sprechchöre an, dann ist nur Emmas Atem zu hören. Und es sind ihre Emotionen zu sehen. Auch beim Ansehen des Videos der Rede kommen bei einigen die gleichen Emotionen hoch - wie bei Deutschlandfunk-Nova-Reporter Christian Schmitt. Er bemerkt eine Art Fluchtreflex, will sich anderweitig beschäftigen. Nur die Stille zu ertragen, tue fast weh, sagt er.

"Ich suche nach Ersatzhandlungen, weil es mir zu unangenehm ist: Ich zerkaue in sechs Minuten insgesamt vier Bonbons."
Christian Schmitt, Deutschlandfunk-Nova-Reporter
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Liegt es etwa allein daran, dass wir einfach eine verschwindend geringe Aufmerksamkeitsspanne haben? Bettina Hielscher, Lifecoach und Autorin, sieht hier noch andere Gründe.

"Die Stille ist offenbarend. Sie konfrontiert uns mit unseren wahren Gefühlen, und das sind oft auch unangenehme Gefühle, die wir gar nicht mehr zulassen heutzutage.”
Bettina Hielscher, Lifecoach und Autorin

Wir sind nämlich Meister darin, uns abzulenken, sagt Bettina Hielscher. Irgendwo ist immer etwas los: Wir swipen durch verschiedene Kanäle, quatschen, tippen, texten, schauen. "24 Stunden rund um die Uhr haben wir Kontakt zum Außen. Und das lenkt unsere Aufmerksamkeit weg von uns", sagt sie.

Hilflos ohne Dauerkommunikation

Mal nicht zu kommunizieren, wenn sogar noch viele Menschen anwesend sind, das kann unglaublich anstrengend sein. Die Aufmerksamkeit liegt dann bei uns und unserer Gedanken- und Gefühlswelt. Und wie im Beispiel von Emma Gonzalez eben vielleicht auch den sichtbaren Gefühlen einer anderen Person - ohne, dass wir in dem Moment eingreifen können.

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Uns fehlt der Impuls, der sonst von Sprache, Lauten und anderen dominierenden Geräuschen ausgeht. Auch das führt dazu, dass wir uns oft unwohl fühlen (mit anderen) zu schweigen. Für Bettina Hielscher aber lohnt es sich, sich dieser unangenehmen Stille regelmäßig zu stellen: "Wir nehmen wahr, was wir fühlen. Wir nehmen wahr, was wir brauchen." Um unseren Umgang mit der Stille zu üben, lautet ihr Tipp: Zwischendurch einmal alle externen Impulse durch Handy, Fernsehen und Notebook ausschalten.

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