Hitzewelle

Arbeiten bei 38 Grad

Hitzefrei! Das ist für viele die beste Erfindung, seit es Sommer gibt. Doch nicht jeder Chef zeigt sich einsichtig. Dabei gibt es gute Gründe dafür, die Arbeit liegen zu lassen, wenn das Thermometer steigt.

Es gibt diese paar Tage im Jahr, die sind brüllend heiß. Und es gibt seit etwas mehr als 120 Jahren die perfekte Lösung für dieses Problem: Hitzefrei!

Kultusminister Robert Bosse verfügte per Ministerialerlass im August 1892: "Wenn das hundertteilige Thermometer um 10 Uhr vormittags im Schatten 25 Grad zeigt, darf der Schulunterricht in keinem Falle über vier aufeinanderfolgende Stunden ausgedehnt und ebensowenig darf den Kindern an solchen Tagen ein zweimaliger Gang zur Schule zugemutet werden".

Doch irgendwie sind wir vom rechten Weg abgekommen. Denn die Realität sieht anders aus.

"Es gibt keine Klimaanlage, keinen Ventilator. Nix dergleichen. Leider dürfen wir aus Sicherheitsgründen die Fenster nur auf Kipp öffnen. Und das Schulgebäude ist auch noch gen Süden ausgerichtet. Die Sonne knallt erbarmungslos den ganzen Tag auf die Fensterfront."
Eine Lehrerin, die anonym bleiben möchte

Eine Lehrerin hat uns geschrieben. Ihren Namen und den ihrer Schule möchte sie anonym halten. Aber sie möchte das Problem ansprechen, dass die Schulleitung zwar einen Ermessensspielraum besitzt, ihn aber nicht nutzt.

Dabei gibt es für Hitzefrei gute Gründe: Mit dem Denken klappt es nicht so recht bei hohen Temperaturen, das sagt zumindest der Neurowissenschaftler Henning Beck: "Wenn es draußen viel wärmer wird, dann geht viel Energie dafür drauf, den Körper auf seiner Kerntemperatur von 37 Grad zu halten". Die Folge: Wir denken langsamer.

"Man denkt langsamer, sobald es wärmer wird."
Neurowissenschaftler Henning Beck

Während Schulen zumindest die Möglichkeit haben, Hitzefrei zu machen, ist das im Arbeitsrecht etwas umständlicher gelöst. Dort gibt es kein generelles Recht auf Hitzefrei, dafür aber die "gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur": Ab 30 Grad Celsius muss der Arbeitgeber aktiv werden und etwa durch den Einsatz von Ventilatoren kühlen, Getränke bereitstellen, in der Nachtzeit lüften oder die Bekleidungsregeln lockern.

Ab 35 Grad gibt es dann möglicherweise Hitzefrei. Doch der Arbeitgeber kann immer noch Luftduschen oder Wasserschleier aufstellen - oder anordnen, dass an einem anderen Ort gearbeitet wird.

Lernen vom Saunameister

Und was ist mit denjenigen, die immer in brütender Hitze arbeiten? Die nehmen es offenbar locker, so wie Saunameister Mattias Kleinert: Die Tage macht er einen noch heißeren Aufguss als sonst. Einmal den Kopf unter Wasser halten hilft auch, meint er. Und falls nicht, sollten wir an unserer Einstellung arbeiten: "Man nimmt es hin, man gewöhnt sich dran, und man kann es auch gut finden!"