Im Durchschnitt steigen die Temperaturen: Damit wird es auch in den Städten heißer. Doch Hitzewellen können tödlich sein. In Barcelona hilft deshalb eine App, Routen mit viel Schatten zu finden.

"Dafür nutzt die App verschiedene Daten", sagt unser Reporter Matthis Dierkes. Zum einen 3-D-Bilder von Barcelona, die zeigen, wo in der Stadt sich Häuser oder Bäume befinden. Diese Daten hat das Entwicklerteam mit Daten der Sonne verknüpft. Zum Beispiel den Sonnenstand zu bestimmten Uhrzeiten.

So ist es möglich, automatisch zu berechnen, wann bestimmte Orte in Barcelona sonnig oder eben schattig sind. Ebenso sind Stellen markiert, an denen es kostenloses Trinkwasser gibt.

Bislang gibt es die App "Cool Walk" nur für einen Stadtteil in Barcelona. Sie ist noch nicht in allen App Stores zu finden. Aber das Tool lässt sich auch über einen Browser nutzen.

Die App markiert schattige Orte zu bestimmten Uhrzeiten

Die App schlägt den Usern und Userinnen drei mögliche Routen vor. Die schnellste wie bei anderen gängigen Karten-Apps. Schatten und Sonne spielen keine Rolle. Die zweite Route ist eine mit mehr Schatten, die dafür etwas länger ist. Und eine Dritte ist der sogenannte "Vampire Mode". Die App sucht dann einen Weg, der möglichst komplett beschattet ist, so Matthis.

"Im 'Vampire Mode' versucht dich die App, ausschließlich durch Schatten gehen zu lassen."
Matthis Dierkes, Deutschlandfunk Nova-Reporter

Doch der Vampir-Modus bedeutet, dass die Routen teils sehr viel länger werden. "Teilweise müsste man schon sehr große Umwege nehmen", sagt Matthis. Aus einem Kilometer Weglänge können fünf Kilometer werden. Dazu sagte einer der App-Entwickler dem britischen Guardian: "Diesen 'Vampire Mode' hat das Team nach einem Abend mit viel Bier programmiert."

Hitzewellen nehmen zu

Dass der Vampir-Modus in einer Metropole wie Barcelona kaum funktioniert, verdeutlicht aber auch das Problem. Im Sommer gibt es mehr Hitzewellen, die nicht nur anstrengend, sondern auch gefährlich sind. Das gilt für Barcelona und viele andere Städte - auch in Deutschland. "Zuletzt gab es in vielen deutschen Städten wieder sehr viele Notrufe, allein schon wegen Herz-Kreislauf-Problemen", sagt Matthis.

Laut Guardian ergab eine Studie in fast 100 Städten auf der ganzen Welt, dass während Hitzewellen bis zu 14 Prozent mehr Menschen sterben.

Was lässt sich aus den Daten lernen?

Deshalb will das Entwicklerteam gemeinsam mit der Stadt Barcelona nun herausfinden, was man aus den Daten lernen kann. Auch wie sich die Stadt besser an Klimawandel und Hitze anpassen kann.

"Barcelona will in den nächsten knapp 15 Jahren die Zahl der Bäume deutlich erhöhen."
Matthis Dierkes, Deutschlandfunk Nova-Reporter

Da können reichlich Bäume helfen. Barcelona will deshalb auch mehr Bäume pflanzen. "Aktuell sind rund 25 Prozent der Stadtfläche mit Bäumen bedeckt", sagt Matthis. "Und bald sollen es mindestens 30 Prozent sein." Bäume sind eine der besten Möglichkeiten, Schatten zu spenden, sodass sich eine Stadt nicht ganz so stark aufheizt.