HIV-positiv, diese Diagnose ist für jeden Menschen ein Schock. Doch die alten Angstbilder müssen nicht mehr sein. Buddys helfen beim Start in das Leben mit der Infektion.

Jedes Jahr infizieren sich etwas über 3000 Menschen mit dem HI-Virus in Deutschland. Als Michael seine Diagnose HIV-positiv vor fünf Jahren erhielt, war er schockiert. Weil er aber einige Menschen kannte, die ebenfalls infiziert waren, stand er mit seiner Angst nicht alleine da und hatte von Anfang an, eine realistische Vorstellung davon, was die Infektion bedeutet.

"Ich hatte eigentlich einen ganz guten Start, wie man ihn anderen Leute nur wünschen kann."
Michael, Buddy

Die Forschung hat in den vergangenen Jahren neue Medikamente entwickelt, jedes Jahr kämen ein bis zwei neue Medikamente auf den Markt, sagt Michael. Seine erste Medikamentengeneration hätte noch Nebenwirkungen gehabt. Inzwischen nehme er Medikamente ein, die überhaupt keine Nebenwirkungen mehr hätten.

"Normale Lebenserwartung, normales allgemeines gesundheitliches Wohlempfinden – es ist heute nur noch eine chronische Infektion, mit der man gut leben kann."
Michael, Buddy

Für neu Infizierten ist die Diagnose HIV-positiv erst einmal ein Schock, den sie verkraften müssen. Wie geht es weiter? Ist jetzt durch die Krankheit alles vorbei? Das Selbsthilfeprojekt Sprungbrett will den Betroffenen genau in dieser ersten Situation mit Buddys helfen. Buddys sind Menschen, die HIV-positiv sind so wie Michael. Er ist einer der 25 Sprungbrett-Buddys, die bundesweit Menschen zur Seite stehen, deren HIV-Diagnose ganz frisch ist und beantworten ihre ersten Fragen. Die Buddys wollen den frisch Diagnostizierten Wege aufzeigen, wie sie trotz der Krankheit ein "ganz normales" Leben führen können, erklärt Michael.

Leben nach dem Schock

Nach dem ersten Schock beginnen die Betroffenen über ihre Angst zu sprechen und Fragen nach der Gesundheit, Lebenserwartung und Nebenwirkungen der Medikamente zu stellen, erzählt Michael. Sie beraten sich mit dem Buddy auch darüber, ob und wie sie über ihre Infektion in der Familie und mit Freunden sprechen sollten und fragen, was sich in Bezug auf Sexualität ändern würde, ob sie mit der Diagnose überhaupt noch einen Partner finden können.

"Mir ist es wichtig, anderen Selbstbewusstsein zu geben und ihnen zu zeigen, es bricht keine Welt für euch zusammen, man kann damit leben."
Michael, Buddy

Die Betroffenen können ihren Buddy auf der Website des Projekts kontakten, die sich dort mit ihrem Profil präsentieren. Das ersten persönlichen Treffen findet entweder bei dem Buddy oder bei dem Betroffenen Hause statt, sagt Michael. Er begleitet ganz unterschiedliche Menschen. Der Jüngste sei 24 Jahre alt und der Älteste Anfang 40. "Das ist so die typische Range, in der heute Leute sich mit HIV infizieren", sagt Michael.

"Die Idee ist, ein realistisches Bild zu vermitteln, was das positive Testergebnis heute konkret noch bedeutet."
Michael, Buddy

Wer Buddy werden will, muss zwei Wochenenden für die Ausbildung investieren, die von der Deutschen Aidshilfe angeboten wird, erklärt Michael. Kommunikationsfähigkeit und Empathie sollten Buddys mitbringen, sagt Michael. "Voraussetzung ist, dass man seine eigene Infektion seit ein paar Jahren soweit verarbeitet hat, dass man den Ratsuchenden weiterhelfen kann", rät Michael.

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