Testset kaufen und dann auf HIV testen: Das soll von Herbst an auch in Deutschland möglich sein. Eine gute Idee - mit nur einem kleinen Haken. Unsere Reporterin hat sich den Plan angesehen.

Gesundheitsminister Jens Spahn will freiverkäufliche HIV-Selbsttests für den deutschen Markt zulassen. Der HIV-Selbsttest könne auch jene erreichen, die sich sonst nicht testen lassen würden, sagte Jens Spahn. Schätzungsweise 13.000 Menschen in Deutschland wüssten nichts von ihrer HIV-Infektion.

Unsere Reporterin Caro Bredendiek hat sich die Pläne des Ministers und die Tests genauer  angesehen: So ein Selbsttest ist ein kleiner schmaler Apparat, ganz ähnlich wie ein Schwangerschaftstest oder ein Thermometer - unser Bild zeigt die belgische Variante. Man sticht sich in die Fingerkuppe und nimmt ein paar Blutstropfen ab. Die kommen dann in eine Testapparatur – und diese zeigt nach einer Viertelstunde das Ergebnis an.

Bei positivem Ergebnis kein Ersatz für den Arztbesuch

Der Test ist erst etwa  12 Wochen nach der Ansteckung wirklich verlässlich. Er weist nicht das HI-Virus selbst, sondern die Antikörper nach. Caro hat mit Holger Wicht von der Deutschen Aidshilfe gesprochen. Er sagt, dass die Selbsttests mittlerweile recht zuverlässig sind. Der Selbsttest ersetzt bei einem positiven Ergebnis allerdings nicht den Arztbesuch.

"Die HIV-Tests, die jetzt zum Hausgebrauch auf den Markt kommen, die sind sehr zuverlässig, die übersehen keine HIV-Infektion. Wenn sie allerdings anzeigen, dass man HIV-positiv ist, dann kann es in Einzelfällen sein, dass das ein falscher Alarm ist."

Wissenschaftler schätzen, dass in Deutschland ungefähr 13.000 Menschen HIV positiv sind, ohne es zu wissen. Jens Spahn hofft, dass sich das durch die Selbsttests ändert, dass so Menschen erreicht werden, die nicht zum Arzt gehen wollen, um sich testen zu lassen. Holger Wicht von der Aidshilfe begrüßt den Vorstoß.

"Es wird nämlich dazu führen, dass mehr Menschen frühzeitig von ihrer HIV-Infektion erfahren und dann auch behandelt werden können. Das heißt, sie erkranken dann nicht mehr an Aids. Das wird dazu führen, dass insgesamt weniger Infektionen und weniger Erkrankungen stattfinden"

Inzwischen sind die medizinischen Mittel so weit, dass das Risiko einer Übertragung des Virus auch bei einer HIV-Infektion sehr gering ist und Menschen auch mit einer Ansteckung ziemlich normal leben können. Zuvor müssen Infizierte allerdings von ihrer Infektion wissen – deswegen der Test.

Nachteil des Selbsttests: keine direkte psychologische Betreuung

Die Selbsttests sind trotz dieses positiven Effekts umstritten. Wenn Infizierte das Ergebnis vom Arzt oder in der Beratungsstelle erfahren, ist psychologische Betreuung direkt greifbar. Beim Selbstttest ist das anders und diesen Aspekt findet auch Holger Wicht von der Aidshilfe schwierig. Er empfiehlt, den Selbsttest direkt mit Beratungskontakten anzubieten.

"Es ist keine schöne Situation, alleine in seinem Wohnzimmer oder der Küche zu sitzen und zu erfahren, dass man HIV-positiv ist beziehungsweise sein könnte. Es ist aber auf jeden Fall viel besser, als weiter mit HIV zu leben, ohne es zu wissen."

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