Es klingt ein bisschen nach Jules Verne, aber was der Chinese Wang Mengshu da plant, könnte Wirklichkeit werden: Der Bau einer 13.000 Kilometer langen Zugstrecke von Nordostchina in die USA über die Beringstraße.

Wang Mengshu ist der Chefplaner des chinesischen Hochgeschwindigkeitsnetzes und Experte an der Chinesischen Akademie für Ingenieurwesen - also nicht irgendein Spinner, der über eine 13.000 Kilometer lange Zugstrecke fantasiert. Allein für die Durchquerung der Beringstraße müsste ein 200 Kilometer langer Unterseetunnel gebaut werden. Sollte dieses Technikmärchen wahr werden, würde die Reise von China in die USA über Alaska und Kanada nur zwei Tage dauern.

"Völlig absurd"

China-Korrespondent Markus Rimmele hält das Projekt aber allein wegen der Kosten für unrealistisch: Warum, fragt er, sollte man eine solch teure Strecke realisieren, wenn man viel schneller und günstiger fliegen kann?

"Man fährt außerdem durch weitgehend unbesiedeltes, arktisches Gebiet. Da wohnen noch nicht einmal Leute, die man unterwegs einsammeln könnte. So eine Strecke würde sich niemals rechnen, vielleicht noch zu touristischen Zwecken, aber das wäre schon sehr teuer."
Markus Rimmele, ARD-Korrespondent

Schuldenberg

Die Zugverbindungen werden in China gut genutzt, an einem Tag fahren in China durchschnittlich 1,5 Millionen Menschen mit Hochgeschwindigkeitszügen - mit einer jährlichen Zuwachsrate von 30 Prozent. Doch das schnelle Netz hat seinen Preis: Die Bahnunternehmen haben 500 Milliarden US-Dollar Schulden, berichtet Markus Rimmele.

"Chinesen bauen alles. Was wir in China erleben, ist historisch absolut einmalig, das gab es noch nie in der Menschheitsgeschichte: Wir haben einen Bauboom der vor nichts halt macht."
Markus Rimmele, ARD-Korrespondent