Bad Banks klingt mit Audiodeskription wie ein gut gemachtes Hörspiel. Auf Streamingportalen sind solche Filme eher die Ausnahme, in den Mediatheken von öffentlich-rechtlichen Sendern gibt es sie häufiger.

Die Audiodeskription soll möglichst knapp Handlungen von Filmen schildern, die sich nicht aus dem Dialog erschließen. Sie erläutert Mimik, Gestik oder auch die Umgebung, wenn das relevant erscheint. Durch diese Beschreibungen werden Filme auch für Blinde und sehbehinderte Menschen zugänglich. Im Falle von Bad Banks, einer Serie des ZDF, ist das gut gelungen, findet Andreas Bethke, Geschäftsführer des Deutschen Blinden und Sehbehinderten Verbandes (DBSV). Die Audiodeskription passe in Anmutung und Tempo zur Serie.

"Das ist alles ganz knapp gehalten und der Tonfall, wenn ich mich so an die Serie erinnere, der passt. Auch da geht’s ja ganz schnell hin und her."
Andreas Bethke, Geschäftsführer des Deutschen Blinden und Sehbehinderten Verbandes (DBSV)

Wichtig ist auch, dass zum Beispiel die Beschreibung nicht die Dialoge überlagert und die Abmischung stimmt, damit das ganze eben organisch klingt.

Sehr dialogstarke Filme sind eine große Herausforderung für die Audiodeskription, sagt Andreas Bethke. Da muss sehr gut ausgewählt werden, was beschrieben werden soll und das möglichst knapp. Denn es gibt nur wenige Dialogpausen. Bei Musikfilmen wiederum ist die große Kunst, sich zu überlegen, wo die Audiodeskription platziert wird, während die Musik spielt, ohne die Filmatmosphäre zu stören.

"In jedem Fall kann man sagen, dass Audiodeskription ganz allmählich eine eigene Kunstform entwickelt."
Andreas Bethke, Geschäftsführer des Deutschen Blinden und Sehbehinderten Verbandes (DBSV)

Besonders teuer ist es nicht, eine Audiodeskription produzieren zu lassen. Im Vergleich zur gesamten Filmproduktion sind das nur wenige tausend Euro. Im Schnitt rechnet Andreas Bethke mit 40-50 Euro pro Minute. Aber es ist ein zusätzlicher Aufwand. Öffentlich-rechtliche Sender begreifen den als Teil ihres Bildungs- und Kulturauftrags, sagt der Geschäftsführer des DSBV. Für Privatsender gilt das nicht. Und deshalb wird es auch wesentlich seltener gemacht.

Als kleinen Leuchtturm bezeichnet Andreas Bethke die Streamingplattform Netflix. Dort werden erste eigene Audiodeskriptionen produziert und integriert auch die Audiodeskriptionen von anderen Sendern, wenn die schon vorhanden sind. 

Neue EU-Richtlinie für audiovisuelle Medienanbieter

Eine neue europäische Richtlinie könnte allerdings dafür sorgen, dass demnächst wesentlich mehr Filme auch als Hörfilme angeboten werden. Das Ziel der EU-Richtlinie für audiovisuelle Mediendienste ist es, vergleichbare Rechtsvorschriften zu schaffen. Das heißt, egal ob TV-Sender, Streaming-Anbieter oder Online-Videoplattform – für alle sollen die gleichen Regeln gelten. Andreas Bethke sieht deshalb die Politik und Medienanstalten in der Pflicht, daraus einen Rundfunkstaatsvertrag zu machen, dass auch im Privatbereich Audiodeskription häufiger vorkommt.

Was Andreas Bethke neben aktuellen Produktionen mit Audiodeskription besonders gut findet: Inzwischen werden auch ältere Filme als Hörfilm angeboten. So gibt es den Western "Spiel mir das Lied vom Tod" neuerdings auch mit Audiodeskription. Für Andreas Bethke ein besonderes Erlebnis.

"Ich hab den vor kurzem das erste Mal mit Audiodeskription erleben dürfen, und das war ganz traumhaft für mich!"
Andreas Bethke, Geschäftsführer des Deutschen Blinden und Sehbehinderten Verbandes (DBSV)

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