Musik hören und Musik machen ist nicht nur schön, sondern es verändert uns auch. Unter anderem kann Musik uns schlauer und kooperativer machen. Musik regt sogar neuroplastische Veränderungen in unserem Gehirn an.

Musizieren ist eine unglaublich anspruchsvolle Tätigkeit, fast alle Hirnareale sind dabei in Aktion. Denn wir müssen dabei viele Dinge gleichzeitig koordinieren: Hören, Fühlen, Bewegen und Annahmen über die Zukunft machen zum Beispiel. Gleichzeitig werden Hormone ausgeschüttet - Adrenalin etwa, Endorphine und Dopamine. Selbst das Zuhören hat schon immense Wirkung.

"Mit diesem Cocktail aus Neurohormonen wird auch klar, warum Musik diese gewaltigen neuroplastischen Veränderungen bewirken."
Eckart Altenmüller, Neurologe und Musiker

Bei so viel Action ist es nicht verwunderlich, dass Musizieren unser Gehirn auch verändert. "Das Musizieren ist einer der stärksten Anreize für Neuroplastizität", sagt Altenmüller - oder einfacher ausgedrückt: Es ist einer der stärksten Anreize dafür, dass unser Gehirn sich in Form und Funktion anpasst, quasi wie ein Muskel durch Krafttraining. Allein das Zuhören schafft schon neue Verschaltungen. Und das geht erstaunlich schnell:

"Wenn sie anfangen, ein Instrument zu spielen, sind sie schon mit 20 Minuten dabei, dass sie eine höhere neuronale Konnektivität erreichen."
Eckart Altenmüller, Neurologe und Musiker

Solche langfristigen Veränderungen im Gehirn, aber auch die kurzfristigen Veränderungen durch Hormone etwa wirken sich nicht nur auf das Musizieren oder Musikverstehen selbst aus, sondern auch auf andere Bereiche. So konnten Experimente zeigen, dass gemeinsames Musizieren Kinder kooperativer, hilfsbereiter und emphatischer macht. Auch auf unsere Sprachfähigkeiten oder Gedächtnisleistungen kann Musik sich auswirken - positiv versteht sich. Musik kann deshalb sogar als Heilmittel eingesetzt werden, etwa bei der Therapie von Schlaganfall- und Depressionspatienten.

"Musik gehört zu unserem Leben."
Eckart Altenmüller, Neurologe und Musiker

Eckart Altenmüller ist Neurologe und Musiker, Flötist um genau zu sein. Er gilt als einer der führenden deutschen Wissenschaftler auf dem Gebiet der Neurophysiologie und Neuropsychologie von Musikern und leitet das Institut für Musikphysiologie und Musikermedizin an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, inklusive Spezialambulanz für Musikerkrankheiten.

Den Vortrag "Apollos Gabe: Musikwirkung auf Denken, Fühlen und Emotionen" hat er am 15. März 2016 im Rahmen der International Brain Awareness Week an der Berlin School of Mind and Brain gehalten.