Das Netz und die Netzgemeinde als Vorboten einer besseren Welt - so viel Überschwang steckte vor gerade mal 20 Jahren im Netz. Und heute? Was nutzen wir, wenn wir surfen?

Ist das Netz in erster Linie ein Instrument der Emanzipation, der Selbstermächtigung, eine Plattform für mehr Demokratie? Oder ein Instrument der Überwachung und Unterdrückung, eine riesige Daten-Absaug-Apparatur? Nimmt uns das Netz mit ins wundersame Reich von Einhörnern und Rainbowponies? Liefert es uns finsteren Datenkraken aus? Oder gibt es da nur Katzenbilder?

"Das ist eine unserer Kernideen, dass wir Zugang zu Informationen schaffen über ein gemeinsam aufgebautes Netz. Ich würde sagen, diese Utopie ist im Großen in Gefahr, aber im Kleinen können wir sehen, dass es funktioniert!"

Wie viel Utopie oder Dystopie heute im Netz stecken, das haben wir am 27. April 2016 im Digitalen Salon besprochen - unter der Überschrift Is this Utopia?. Der Digitale Salon ist die allmonatliche Veranstaltung des Alexander von Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft (HIIG) und DRadio Wissen zu Fragen der vernetzen Gegenwart. Dieses Mal hatten wir drei Sachverständige geladen: Philipp Borgers ist Informatiker. Für freifunk.net klettert Philipp auf Kirchtürme und Rathausdächer, um dort Router zu installieren. Die Freifunker wollen ein freies Netz für alle - und seit einiger Zeit kümmern sie sich auch darum, Flüchtlingsunterkünfte ans Netz zu bringen.

"Dieser Open-Source-Gedanke hat mich von Anfang an sehr interessiert, seit ich damit in Berührung gekommen bin. Weil ich darin einen unkorrumpierbaren Kern von Positionierung wahrnehme. Ich halte da weiterhin große Stücke drauf!"

Andreas Gebhard war auf gutem Weg in eine politische Karriere - für die Grünen hat er in verschiedenen Institutionen gearbeitet, von kommunal bis Brüssel. Das hat er an den Nagel gehängt und sich mit Begeisterung der Idee von open source verschrieben. Jetzt ist er Digitalunternehmer, bezeichnet sich selbst als Neudenker und ist Mitgründer und Geschäftsführer der Netzkonferenz republica.

"Wir haben heute immer noch so eine Vorstellung, als könnten wir das Internet mit einer Idee des Guten verbinden. Ist es nicht an der Zeit, mal Lehren zu ziehen?"

Jeanette Hofmann leitet am Wissenschaftszentrum Berlin die Projektgruppe Politikfeld Internet, sie ist von Haus aus Politikwissenschaftlerin. Die Professorin war Sachverständige in der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des deutschen Bundestages und ist Mit-Direktorin am HIIG - also insofern beim Digitalen Salon irgendwie auch in der Rolle der Hausherrin. Sie sagt, sie schaut heute nicht mehr so euphorisch ins Netz wie vor der Jahrtausendwende.

Also, wo stehen wir? Was machen wir mit dem Wort Utopie? Müllhaufen der Geschichte? Ab ins Archiv damit, unter dem Oberbegriff "Putziges"? Oder steckt da doch was drin, was wir nutzen können und sollen, was uns ein Motor sein könnte?

Wichtige Infos zur Diskussion:

Die vergangenen Digitalen Salons im Hörsaal: