Jede und jeder Zweite von uns hört zu laut Musik – und kann damit dauerhaft das Gehör schädigen. Das sagt die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

50 Prozent aller Menschen zwischen 12 und 35 Jahren, die in Ländern mit mittlerem und hohen Einkommen leben, hören zu laut über ihre Endgeräte, so die WHO. Sie schätzt, dass rund 43 Millionen Menschen zwischen 12 und 35 Jahren bereits Hörschäden haben. Und die Zahlen steigen, denn viele von uns nutzen ihre Kopfhörer sehr intensiv, seit es Smartphones gibt.

"Die Zahlen steigen, weil wir seitdem es Smartphones gibt, viel mehr Kopfhörer nutzen."
Anneke Schäfer, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Bei 85 Dezibel liegt die offizielle Wohlfühlgrenze

Dabei ist die akustische Grenze klar: Sie liegt bei 85 Dezibel. Das ist zum Beispiel ein vorbeifahrender Zug, ein Rasenmäher, eine Hauptverkehrsstraße – oder eben unsere Musik auf dem Ohr. Zwar gibt es kein verpflichtendes Gesetz in Deutschland für eine solche Grenze, aber auch eine EU-Richtlinie besagt: Mehr als 85 Dezibel sollten nicht aus dem Kopfhörer kommen.

"100 Dezibel können schon aus dem Kopfhörer kommen – bei Geräten aus den USA noch mehr. Fand ich ganz schön krass."
Anneke Schäfer, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Da es kein bindendes Gesetz gibt, kann unser Smartphone also auch lauter sein. Anneke Schäfer aus der Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion hat das auch bei ihrem Smartphone getestet: Die EU-Empfehlung war nicht voreingestellt. Aber sie hat bei ihren Einstellungen unter Musik eine Möglichkeit gefunden, die maximale Lautstärke zu drosseln. 

Oft stellen wir unterwegs auch nur lauter, weil die Umgebung so laut ist – zum Beispiel in der U-Bahn, wenn wir verstehen wollen, was im Podcast gesagt wird. Dagegen können wir etwas tun: Indem wir zum Beispiel Kopfhörer nutzen, die genau passen – und vielleicht sogar Umgebungsgeräusche aktiv herausfiltern. Dann müssen wir auch nicht laut stellen.

Pausen schützen vor dauerhaften Schäden

Und auch auf die Hördauer kommt es an: Bei Werten unter 85 Dezibel sollen bis zu acht Stunden hören am Stück okay sein. Meistens lässt sich das auch gar nicht vermeiden: Beim Haare föhnen, an Baustellen, am Flughafen oder auf Konzerten zum Beispiel.

"Bei Werten unter 85 ist alles acht Stunden lang ok. Wir können aber lautere Geräusche aushalten, das lässt sich ja oft auch gar nicht vermeiden."
Anneke Schäfer, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Das Problem: Wir können schnell mal auf über 100 Dezibel kommen – und diese Lautstärke empfiehlt die WHO nicht länger als eine Stunde. Bei Konzerten, bei denen zum Teil 115 Dezibel erreicht werden, sollen wir außerdem Ohrstöpsel tragen und im besten Fall zwischendurch kurz rausgehen und kleine Pausen machen.

"Was richtig kaputt ist, das lässt sich auch nicht mehr reparieren."
Anneke Schäfer, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Aber selbst, wenn wir diese Pausen einhalten: Sicher sind wir dann nicht. Sie helfen aber, dauerhafte Schäden zu vermeiden, denn sie schützen unsere kleinen Haarzellen im Ohr. Die verarbeiten die Geräusche um uns herum und schalten einen Gang runter, wenn es zu laut wird: Sie machen uns also vorübergehend taub. Das merken wir zum Beispiel nach lauten Konzerten. Mit etwas Ruhe geht das in der Regel weg, dann erholen sich die kleinen Haarzellen – deswegen sind Pausen so wichtig. 

Wenn wir aber das Gefühl haben, einen Tinnitus zu haben, der nicht weggeht oder dauerhaft schlecht zu hören, sollten wir das von einem Arzt untersuchen lassen. Denn was einmal richtig kaputt ist im Ohr, lässt sich nicht mehr reparieren.

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