Menschen mit Migrationsgeschichte haben geringere Chancen auf dem Wohnungsmarkt – und damit häufiger auch eine schlechtere Wohnsituation, wie eine neue Studie zeigt. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Minh Thu Tran kennt die Zahlen.

Eine Wohnung zu finden, ist in den großen Deutschen Städten, aber auch immer mehr in ländlichen Gegenden, oft eine ganz schöne Challenge. Eine bezahlbare Wohnung zu finden ist meist noch schwieriger. Menschen mit Migrationsgeschichte haben dabei besonders schlechte Karten, wie eine Studie des Instituts für Landes- und Stadtentwicklung nun herausfand.

Dafür wurden mehrere Umfragen unter Zugewanderten gemacht. In einer davon gibt jeder Dritte der Befragten an, schon einmal Diskriminierung bei der Wohnungssuche erlebt zu haben. Und: Die Diskriminierung nimmt zu, wenn mehrere Diskriminierungsfaktoren zusammen kommen – wenn die Bewerber*innen etwa schwarz und muslimischen Glaubens sind.

Strukturen teilweise im Gesetz verankert

Ein Punkt, der in der Studie auch für die Benachteiligung verantwortlich gemacht wird, ist ein Paragraph im Baugesetzbuch (§1, Absatz 6, 2 BauGB), in dem "die Schaffung und Erhaltung sozial stabiler Bewohnerstrukturen" gefordert wird. Je nachdem, wer die Eigentümer sind, kann dieser Paragraph unterschiedlich ausgelegt werden.

"Wenn Vermieter sich überlegen, wer bei Bestandswohnungen in die Nachbarschaft reinpasst, haben Menschen mit Migrationshintergrund häufig schlechtere Karten."
Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Minh Thu Tran

Bei Neubauquartieren können durch diese Vorgaben sogar Vorteile für benachteiligte Menschen entstehen, sagt Minh Thu Tran. Anders sieht es bei Bestandswohnungen aus – dort haben Menschen mit Migrationsgeschichte oft schlechtere Karten. Aus all diesen Gründen leben arme und migrantische Bevölkerungsteile deshalb oft in benachteiligten Gebieten von Städten.

"Was mich in der Studie überrascht hat, ist, dass Menschen mit Migrationshintergrund häufiger in beengteren Wohnverhältnissen leben und dafür auch noch mehr Miete zahlen", sagt Minh Thu Tran, "türkischstämmige Menschen verfügen über 33 Quadratmeter pro Person, Menschen ohne Migrationshintergrund dagegen über 60 Quadratmeter pro Person, also fast doppelt so viel."

Was dagegen getan werden könnte

Laut der Studie zahlen Menschen ohne Migrationshintergrund durchschnittlich 7,10 Euro pro Quadratmeter, türkischstämmige Personen hingegen 7,50 Euro. Andere Gruppen wie Menschen mit Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien zahlen sogar 8,50 pro Quadratmeter und haben auch deutlich weniger Platz als jemand, der keinen Migrationshintergrund hat.

Die Autor*innen der Studie haben gleich mehrere Vorschläge, um der Diskriminierung entgegenzuwirken. Zum einen könnte man bereits bei der Wohnungsvergabe ansetzen und zwar mithilfe von Diversity-Management und Anti-Diskriminierungsprozessen in Verwaltung und Wohnungsunternehmen. Zum anderen müsste das Baugesetz überarbeitet werden, vor allem die oben erwähnte Passage zur "sozialen Mischung" einer Nachbarschaft. Aber die Autor*innen schlagen auch vor, den sozialen Wohnungsbau zu fördern und so mehr günstigen Wohnraum zu schaffen.