Schlager-Schnitzel-Apfel. Das bekommen die Gäste in der "Maravillas Stube - Restaurant bei Jasmin & Holger" in Palma de Mallorca serviert. Schlager und Schnitzel bieten viele Kneipenwirte auf Mallorca an. Aber nur die "Maravillas Stube“ hat Holger Apfel als Gastwirt – denn der EX-NPD-Chef hat neu angefangen. Als rechtsextremer Migrant in der deutschen Urlauber-Parallelwelt.

Früh am Morgen schleppt Holger Apfel erst mal ein paar Zwiebelsäcke in seine Kneipe, erzählt Olaf Sundermeyer. Der Journalist war auf Mallorca und hat Apfel in der "Maravillas Stube" besucht. "Das ist eine typische Bier- und Schnitzelbude. Keine rechte Szene-Kneipe", sagt Sundermeyer. Apfel ist Fan von Schlagern und von Eintracht Braunschweig – was sich auch in der Einrichtung spiegelt. Politische Statements sucht man hier vergebens, so Sundermeyer.

Die Kneipe als letzte Chance

In Deutschland, so Sundermeyer, habe Apfel keine Perspektive mehr. Und auch die Hilfe, die die deutschen Behörden beim Ausstieg aus der rechten Szene anbieten können, sei begrenzt. Insofern ist die Kneipe auf Malle die "letzte Chance" für den ehemaligen Chef der NPD, der neun Jahre lang als Fraktionsvorsitzender im sächsischen Landtag saß. Denn nach einem schmutzigen Machtkampf ist er "in der NPD vollkommen unten durch". Immerhin: Bei Sundermeyers Besuch zapfte Matthias Wächter das Bier - Wächter ist NPD-Kreisvorsitzender in Dortmund. Aus Dortmund, so Sundermeyer, sei auch der Hinweis auf Apfels Neuanfang in Palma gekommen. Die dortigen "Autonomen Nationalisten" hätten zuerst Einzelheiten über Apfels Auswanderung veröffentlicht, "dann haben auch die etablierten Medien darüber berichtet".

Der Ex-NPD-Chef Holger Apfel steht in seiner Kneipe auf Mallorca.
© Olaf Sundermeyer
Links im Bild: Migrant Holger Apfel
"Im Westen ist die NPD nur eine Partei auf dem Papier. Das sieht Holger Apfel auch so. Gefährlich sind die Freien Kameradschaften, die Autonomen Nationalisten. Die NPD ist eine dahinsiechende Partei"
Olaf Sundermeyer, Journalist

Jahrelang hat Holger Apfel gegen Migranten gehetzt, er sprach von "plündernden Zigeunerbanden" und dem "Alltagsterror sogenannter 'Migranten'". Nun relativiert er diese Aussagen: "Er sagt, er sei kein überzeugter Rassist gewesen. Und, dass er keine Lust mehr auf Politik habe", erklärt Sundermeyer. Stattdessen ist Apfel selbst Migrant - "die Parallelwelt auf Mallorca ist eine Befreiung für ihn", sagt Olaf Sundermeyer. Die spanischen Nachbarn würden Holger Apfel genau beobachten, auch die spanische Polizei habe ein Auge auf ihn geworfen. Aber verglichen mit den Hells Angels auf Mallorca sei Apfel eher harmlos.