Holger Stanislawski war eigentlich im Stadion auf der Trainerbank des FC St. Pauli zu Hause. Er führte den Verein in die Erste Bundesliga, musste aber auch in der darauffolgenden Saison den Abstieg erleben. Er könnte immer noch als Bundesliga-Trainer arbeiten - Angebote gibt es genug. Aber er hat sich für eine Karriere im Supermarkt entschieden. Als Leiter.

So ganz vom Fußball getrennt hat er sich dann aber doch nicht. Holger Stanislawski hat in seinem Supermarkt im feinen Hamburg-Winterhude eine Fußball-Ecke eingerichtet. 80 Quadratmeter mit Kunstrasen, für die Kinder. Die Eltern können dann in Ruhe einkaufen. So der Plan. Der Wechsel von der Trainerbank in den Supermarkt hat für einen Aufschrei gesorgt, sagt Stanislawski, viele hätten ungläubig die Köpfe geschüttelt.

"Inzwischen wird es nicht mehr belächelt, sondern eher positiv aufgenommen."
Holger Stanislawski über seinen beruflichen Wechsel zum Supermarktleiter

Die Filiale führt Stanislawski zusammen mit Alexander Laas, einem ehemaligen Spieler des HSV. Der Supermarkt in einem alten S-Bahn-Depot ist riesig. Um den zu managen, musste der 45-Jährige erst einmal spezielle Schulungen belegen. Einen Facebook-Auftritt gibt es auch schon, wobei bei den Fan-Zahlen noch Luft nach oben ist.

Die neue Aufgabe sei reizvoll, sagt Holger Stanislawski. Und einige Fähigkeiten, die er in seiner aktiven Zeit in der Bundesliga erworben hat, kann er gut gebrauchen. "Das Personal ist wie eine Mannschaft: Jeder will und muss ein bisschen anders angesprochen werden," sagt er. Der eine brauche mal eine klare Ansage, der andere ein ruhiges Gespräch. Da müssen viele Charaktere geführt werden. Aber den emotionalen Kick von früher - den vermisst er schon manchmal.

"Es gibt nichts Vergleichbares als in der 93. Minute das Siegtor zu schießen - und 50.000 Menschen im Stadion jubeln."
Holger Stanislawski über das, was ihm als Supermarktleiter fehlt

Stanislawski musste den Profisport nicht verlassen. Angebote von anderen Vereinen hatte er viele. Der 1. FC Nürnberg, Fortuna Düsseldorf, Al-Ahly Kairo oder St. Gallen hatten ihn als Trainer angefragt. Aber nichts habe ihn gepackt. Dagegen ist ihm seine Belegschaft ans Herz gewachsen, erzählt er. Für sein Team und dessen Familien fühle er sich verantwortlich. Den Fußball-Zirkus vermisst er gar nicht.