Das Ifo-Institut hat untersucht, wie sich Homeoffice und der dadurch veränderte Verkehr langfristig auf das Klima auswirken. Ergebnis der Modellrechnung: Der Lebensstil der Leute verändert sich – und leider macht genau das die ganze schöne CO2-Einsparung kaputt, sagen die Forschenden. Was also tun?

Obwohl es die Pflicht dazu nicht mehr gibt, arbeitet immer noch ein Viertel der deutschen Arbeitnehmer*innen weiterhin komplett oder teilweise von zu Hause. Keine Pendelei mehr mit dem Auto zum Büro, die Kolleg*innen erreichen wir alle per Videocall.

Das Ifo-institut hat eine Modellrechnung mit Daten aus den USA gemacht und sich angeschaut, wie viele Emissionen im Verkehr eingespart werden, wenn Menschen teilweise im Homeoffice arbeiten. Ergebnis: Wenn die Leute die Hälfte der Zeit im Homeoffice arbeiten, dann gehen die Emissionen um etwa ein Fünftel zurück.

Home Office: Langfristige Folgen

Was für das Klima erst mal super klingt, könnte allerdings nach einigen Jahren nach hinten losgehen, hat das Ifo-Institut berechnet. Weil das Homeoffice die Menschen nämlich langfristig dazu bringt, eher klimaschädliche Entscheidungen zu treffen.

"Laut Ifo-Institut hebt sich der positive Effekt fürs Klima auf lange Sicht wieder auf, weil die Leute ihr Leben ans Homeoffice anpassen."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk Nova

Beispiel 1: Wenn ein neues Auto gekauft wird, dann stehen die Chancen schlechter, dass sich die Menschen für ein spritsparendes Modell entscheiden, sagt Waldemar Marz, der die Modellrechnung am Ifo-Institut gemacht hat. Denn ein sparsames Auto lohnt sich nicht, wenn man weniger fährt.

Sparsames Auto rentiert sich nicht

Der Effekt trete beim nächsten Autokauf ein, im Durchschnitt also alle sieben bis zehn Jahre, sagt Marz. Wer sich für das weniger spritsparende Modell entschieden hat, treibe damit dann langfristig die Emissionen wieder hoch.

"Ein teureres, sparsameres Auto rentiert sich, wenn ich häufig fahre. Wenn ich dann aber nur noch zwei Mal die Woche zur Arbeit fahre, sind die Vorteile geringer und ich bin weniger bereit, so viel Geld auszugeben."
Waldemar Marz, Ifo-Institut

Die Menschen, die sich gar nicht erst ein Auto kaufen, weil sie im Homeoffice arbeiten, seien für die Modellrechnung zu vernachlässigen, sagt Waldemar Marz. Denn nur etwa ein Viertel der Fahrten seien Pendelfahrten. Der Großteil werde für Einkaufen und Freizeitbeschäftigungen verfahren. Es gebe wenige Menschen, die das Auto nur zum Pendeln anschaffen.

Seltener, aber dafür längere Pendelstrecken

Beispiel 2: Das Homeoffice verändert langfristig auch die Städte, sagt das Ifo-Institut. Denn wenn die Leute weniger pendeln müssen, dann sehen sie natürlich auch nicht mehr so stark die Notwendigkeit, möglichst nah an der Arbeitsstelle zu wohnen.

Das bedeutet aber im Umkehrschluss: Wenn jemand doppelt so weit entfernt von der Arbeit wohnt wie vorher, aber nur an halb so vielen Tagen zur Arbeit pendelt, kommt sie oder er am Ende eben doch wieder auf die gleichen CO2-Emissionen.

"Wenn jemand doppelt so weit entfernt von der Arbeit wohnt wie vorher, aber nur an halb so vielen Tagen zur Arbeit pendelt, kommt er am Ende eben doch wieder auf die gleichen Emissionen."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk Nova

Wenn man diese beiden Entscheidungen – weniger spritsparende Autos und längere Pendelstrecken – zusammenfasst, seien die Emissionseinsparungen im Verkehr durch das Homeoffice quasi wieder dahin, sagt Waldemar Marz.

Und in diese Modellrechnung ist noch nicht eingeflossen, dass die größeren Wohnungen oder Häuser, in die Leute dann ziehen, ja auch noch mal mehr Emissionen verursachen.

Vorschläge: C02-Steuer, Pendlerpauschale reduzieren

Das Homeoffice jetzt wieder zurückzuschrauben, kann ja aber auch keine wirklich sinnvolle Option sein. Stattdessen muss man an anderer Stelle ansetzen, sagen die Forschenden.

Mit den Flottenverbrauch-Standards sei die EU zum Beispiel schon auf einem guten Weg. Es mache Sinn, die Autobauer dazu zu bringen, spritsparende Autos zu verkaufen. CO2-Steuern auf Kraftstoffe seien dafür ein gutes Mittel.

Die Pendlerpauschale zu erhöhen – ein Vorschlag, den die FDP momentan wegen der hohen Spritpreise oft einbringt – sei dagegen mit Blick auf unser Klima langfristig keine gute Idee, sagt Waldemar Marz. Er plädiert im Gegenteil dafür, sie eher zu reduzieren, um auf diese Weise kompaktere Städte zu bekommen, in denen sich die ÖVM dann auch mehr rentieren.

"Es wäre richtig, die Pendlerpauschale zu reduzieren und dazu beizutragen, dass man kompaktere Städte kriegt mit kürzeren Wegen, wo sich dann auch der ÖPNV eher rentiert."
Waldemar Marz, Ifo-Institut

Es sei wichtig, "nicht mit Verkehrspolitik Sozialpolitik zu betreiben", sondern stattdessen die Sozialgesetzgebung und die Familienförderung anzupassen.

Das Leben in der Stadt ist momentan sehr teuer. Viele können sich den Wohnraum nicht mehr leisten und ziehen aufs Land, das entlastet den Wohnungsmarkt ein bisschen. Wenn wir allerdings im Verkehrssektor Emissionen einsparen wollen, dann wäre eine Stadt mit kurzen Wegen die bessere Lösung, findet Waldemar Marz.