Indien erlaubt gleichgeschlechtlichen Sex. Das Verbot aus dem Jahr 1861 wurde gerichtlich aufgehoben. Ein Blick auf die Details und die Feierlichkeiten.

In Indien ist gleichgeschlechtlicher Sex nicht mehr verboten. Das hat das oberste Gericht des Landes am 06. September 2018 entschieden. Das nun abgeschaffte Verbot sei zum Instrument der Diskriminierung von schwulen, lesbischen, bi- und transsexuellen Menschen geworden, sagte der oberste Richter Dipak Misra in Neu Delhi. Das Gesetz war im Jahr 1861 unter britischer Kolonialherrschaft in Kraft gesetzt worden und galt als eines der ältesten Verbote seiner Art weltweit.

Keshav Suri, ein bekannter LGBT-Aktivist des Landes und Kläger in dem Verfahren, ist Geschäftsführer einer Hotelgruppe. Das folgende Video zeigt die Feier nach dem Urteil in einem seiner Hotels in Dehli. 

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In Indiens Gesellschaft ist eine konservative Sexualmoral tief verankert. Die Kriminalisierung aus der Kolonialzeit blieb auch nach der Unabhängigkeit 1947 im Gesetzbuch. Die Section 377 stellte gleichgeschlechtlichen Sex als unnatürlich unter Strafe. Zum Vergleich: In Deutschland war Sex unter Männern bis 1969 strafbar. Erst 1994 wurde der Paragraf 175 endgültig abgeschafft. Bei einer Umfrage im Herbst 2016 hielten rund 18 Prozent der Befragten Homosexualität für unnatürlich – die Ergebnisse wurden zu Beginn des Jahres 2017 veröffentlicht.

Im Jahr 2016 nahmen indische Behörden wegen Section 377 knapp 2200 Anzeigen auf und verurteilten sieben Menschen. Das Oberste Gericht entschied nun: Jede Diskriminierung auf Grundlage der Sexualität laufe auf eine Verletzung der Grundrechte hinaus. Das stellte Richter Dipak Misra klar. Nach dem Urteilsspruch fielen sich Aktivisten vor dem Gericht in die Arme und feierten ausgelassen.

Der Aktivist Keshav Suri wies auf die repressiven Folgen des alten Gesetzes hin: Besonders in ländlichen Gebieten sei es ein Werkzeug der Schikane gewesen. Polizisten und Behörden hätten es benutzt, um Geld zu erpressen. Indiens konservative Regierung hatte eine Entkriminalisierung abgelehnt.

Eine Zusammenfassung der Auswirkungen des Urteils:

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Das Urteil bedeutet nur die Straffreiheit von homosexuellem Sex, nicht aber eine völlige rechtliche Gleichstellung. Aktivisten kündigten nach dem Richterspruch an, ihren Kampf weiterzuführen, um etwa die Gleichstellung im Erb- und im Eherecht zu erreichen.

Seit den 90er-Jahren hatten Aktivisten in Indien versucht, Homosexualität auf dem Rechtsweg zu entkriminalisieren. Die Emanzipation sexueller Minderheiten in Indien hat in den vergangenen Jahren Fortschritte gemacht. Zwei Beispiele: In Reisepässen können Bürger als Geschlecht auch "andere" eintragen lassen. Die Stadt Raigarh wird von der transsexuellen Bürgermeisterin Madhu Kinnar regiert.

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