In Hongkong findet an diesem Montag ein Generalstreik statt. Das heißt, dass am 05. August 2019 fast alle Menschen die Arbeit niederlegen – egal, in welcher Branche. Theoretisch zumindest. Praktisch sieht es etwas anders aus, sagt unser Korrespondent Steffen Wurzel.

Zum Vergleich: Eine Woche zuvor gab es eine Taifun-Warnung in Hongkong, bei der zwar nichts passiert war, aber da war die Stadt komplett lahm gelegt. Am Tag des sogenannten Generalstreiks läuft auf den ersten Blick sehr viel wie sonst auch, sagt unser Korrespondent Steffen Wurzel. Erst wenn man genauer hinschaut, wird deutlich: Einzelne Läden, Geschäfte und Restaurants bleiben heute geschlossen, weil entweder die Angestellten zu Hause bleiben oder von ihren Chefinnen und Chefs frei bekommen haben.

Pendler allerdings merken sehr deutlich, dass gestreikt wird. Denn die Protestierenden haben die U-Bahn-Linien zum großen Teil lahm gelegt, indem sie sich in die U-Bahn-Türen gestellt oder gelegt haben. Das nervt natürlich die Menschen, die mit der U-Bahn zur Arbeit wollen. Gleichzeitig gibt es aber auch Verständnis für die Proteste.

"Es sind vor allem Pendler, die heute ziemlich genervt sind. Viele sagen aber auch: Wir verstehen, was die Demonstranten meinen."
Steffen Wurzel, Korrespondent in Hongkong

Am Wochenende wurde aber nicht nur gegen, sondern auch für die Pekinger Regierung demonstriert. Die Pro-Regierungsdemonstration war allerdings inszeniert, erklärt Korrespondent Steffen Wurzel. Das waren einige hundert Menschen, denen unter anderem vorgeworfen wird, dass sie dafür bezahlt wurden. Der ganz überwiegende Teil der Demonstrierenden hat sich gegen die pekingtreue Hongkonger Stadtregierung ausgesprochen. Nach Angaben der Veranstalter haben sich an diesen Protesten am Wochenende über 120.000 Menschen beteiligt.

Demonstrierende wollen Autonomie behalten

Egal ob jung oder alt – wer in Hongkong eine Meinung hat, äußert sich in der Regel gegen einen zunehmenden Einfluss der Regierung in Peking. Die Menschen wollen Autonomie und fordern von Regierungschefin Carrie Lam, endlich auf ihre Forderungen einzugehen.

"So geht's nicht weiter. Uns fuhrwerkt die Staats- und Parteiführung in Peking immer weiter rein in unsere Autonomie."
Steffen Wurzel zitiert aus Gesprächen mit Menschen in Hongkong

Das strittige Auslieferungsgesetz wurde zwar inzwischen verworfen, doch die Protestierenden trauen dem Vorgehen nicht. Sie fordern von der Regierung, das Gesetz auch formell zurückzuziehen, damit es keine Möglichkeit mehr gibt, es durch die Hintertür doch noch ins Parlament einzubringen.

Außerdem soll die Polizeibrutalität, mit der gegen die Demonstrierenden vorgegangen wurde und weiterhin wird, von einer unabhängigen Stelle aufgeklärt werden. Und zu guter Letzt wird die Einführung einer echten Demokratie gefordert. Eine Forderung, die bereits vor fünf Jahren bei den sogenannten Regenschirmprotesten gestellt wurde. Eine Forderung, deren Erfüllung für die Staatsführung in Peking aber unter keinen Umständen in Frage kommt.