Die Dielen knarzen, die Türangel quietscht, dazu düstere Musik und das Kinopublikum ahnt: Gleich passiert etwas Schreckliches.

Schon mal vorab: Wir wollen uns gruseln, zumindest die meisten von uns, denn wir empfinden eine gewisse Lust dabei. Uns zu erschrecken, die Angst zu fühlen, ohne selbst in Gefahr zu sein, lässt unseren Körper Dopamin ausschütten.

Gleiche körperlichen Prozesse wie beim Sex

Dadurch geraten wir in einen euphorischen Gefühlszustand und im Zusammenhang mit dem Gruseln empfinden wir sozusagen eine gewisse Angstlust, sagt Deutschlandfunk-Nova-Filmexpertin Anna Wollner.

In unserem Körper spielen sich dabei die gleichen chemischen Prozesse ab wie beim Sex. Zudem empfinden wir das Gruseln, wenn wir einen Film schauen, als einen willkommenen Kontrast zum Alltag, in dem uns bestenfalls kein Serienmörder mit der Axt jagt, sagt Anna Wollner.

Das Angenehme dabei: Wir können unsere Angst kontrollieren. Wir befinden uns in einer Art Ausnahmezustand, den wir selbst in der Hand haben.

"Im Kino gruselt es sich übrigens schöner als alleine zuhause auf dem Sofa, weil wir in der Gruppe mit anderen Menschen eine andere emotionale Belastung haben - wir müssen da nicht alleine durch."
Anna Wollner, Deutschlandfunk-Nova-Filmexpertin

Wodurch das Gruseln filmisch erzeugt wird

Es gibt ein paar bewährte Techniken, um Grusel zu erzeugen, sagt Anna Wollner. Die meisten bekommen es sicherlich bewusst mit, wenn der Auftritt einer Filmfigur mit bizarren oder düsteren Klängen unterlegt ist. Andere filmische Regeln sind da schon ein wenig subtiler, haben zwar eine direkte Wirkung, werden aber von uns eher unbewusst wahrgenommen. Anna Wollner zählt zum Beispiel folgende dazu:

  • Nahaufnahmen, die sich am Blickwinkel der Hauptfigur orientieren
  • Schnelle Schnitte auf schreiende Münder oder aufgerissene Augen
  • Keine Totalen, damit wir als Zuschauende Szenen nicht einordnen können und die Orientierung verlieren
  • das Spiel mit Licht und Schatten
"Figuren, die immer in den Keller rennen oder aufs Dach, da weißt du schon: Doofe Idee, da kommst du nicht mehr lebend raus."
Anna Wollner, Deutschlandfunk-Nova-Filmexpertin
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Meilensteine des Horrorfilms

Zu Horrorfilm-Klassikern, die durch ihre Machart das Genre geprägt haben, zählt unsere Filmexpertin Anna Wollner folgende Filme.

  • Der Stummfilmklassiker "Nosferatu" ist einer der ersten Horrorfilme überhaupt und 1922 seiner Zeit schon weit voraus.
  • Alfred Hitchcocks "Psycho"- in diesem Klassiker ist das Monster nicht wirklich ein Monster.
  • "Halloween" mit Jamie Lee Curtis als ewigem Final Girl, also der jungen, vernünftigen Frau als Identifikationsfigur, die am längsten überlebt und den Killer am Ende konfrontiert.
  • "Scream", der die Regeln des eigenen Genres reflektiert und gezielt damit spielt.
  • "Blairwitch Project" im Found Footage Look - Grusel entsteht durch die Reaktion der Protagonisten, die sich im Wald selbst in Panik filmen.
"Ich bin eine echte Memme, was Horror angeht, bei Splatter bin ich raus. Deswegen ist meine eigene Hemmschwelle relativ niedrig."
Anna Wollner, Deutschlandfunk-Nova-Filmexpertin

Ein Horrorfilm, der unsere Filmexpertin nachhaltig in Angst und Schrecken versetzt hat, ist "Sinister" mit dem Schauspieler Ethan Hawke in der Hauptrolle aus dem Jahr 2012. Ethan Hawke spielt darin einen Schriftsteller, der mit seinen Kindern in ein Haus einzieht, in dem es bekanntlicherweise spukt. Eine Szene aus diesem Film ist oben im Bild zu sehen.

  • Moderatorin:  Jenni Gärtner
  • Gesprächspartnerin:  Anna Wollner, Deutschlandfunk Nova