Marcel Zettier wird von Menschen, die ihn nicht so gut kennen, oft gefragt, wie er das schafft: Ehrenamtlicher Sterbebegleiter zu sein, mit 23 Jahren? Er hat für sich gemerkt, dass er es einfach gut kann: Anderen Menschen Ruhe geben - und dabei kommt er auch selbst zur Ruhe, sagt er.

Einen Menschen bis in den Tod begleitet - das hat Marcel Zettier bisher nur einmal gemacht. Die Frau, an deren Sterbebett er saß, war Ende 70, sagt der 23-Jährige. Er habe ihre Hand genommen, mit ihr geatmet und gemerkt, dass er die sterbende Frau beruhigen kann.

Menschen in der letzten Lebensphase begleiten

Meistens besucht Marcel Zettier die Patienten allerdings im Krankenhaus oder zu Hause. Er trifft sie, noch bevor sie sterben - manche nur ein oder zwei Mal, andere begleitet er über Monate. Bei seinem ehrenamtlichen Job geht es darum, die Menschen in der letzten Phase ihres Lebens nicht alleine zu lassen.

"Es kostet mich kein Geld. Ich gebe nur meine Zeit."
Marcel Zettier, ehrenamtlicher Sterbebegleiter
Marcel Zettier
© Marcel Zettier
Marcel Zettier

Marcel Zettier hat sich schon früh mit dem Tod beschäftigt. Als eine Tante starb, sah er zum ersten Mal ein Hospiz von innen und er war überrascht, wie wohl er sich als Angehöriger dort gefühlt habe, sagt er.

Sich früh mit dem Tod beschäftigen

Später bekam er mit, dass der Verein "Beistand am Lebensende" Sterbebegleiter sucht, dort hat er sich zu einem Lehrgang angemeldet. Für ihn mache es absolut Sinn, sich schon mit Anfang 20 intensiv mit dem Tod zu beschäftigen.

"Ich bin der Meinung, dass man sich irgendwann Zeit seines Lebens damit befassen sollte. Weil sonst am Ende des Lebens die Gefahr besteht, dass man selbst in ein tiefes Loch fällt."
Marcel Zettier, ehrenamtlicher Sterbebegleiter

Ute-Maria Bleicker ist Koordinatorin des Vereines "Beistand am Lebensende". Sie hat Marcel Zettier ausgiebig geprüft - weil er noch jung ist. Normalerweise machen den Job etwas ältere Frauen, sagt sie. Aber Marcel habe sie mit seiner Lebenseinstellung beeindruckt.

Der Kurs zur Vorbereitung hat neun Monate gedauert. Seitdem ist Marcel Zettier, der beruflich Tischler ist, ehrenamtlicher Sterbebegleiter. Was ihn auszeichnet, sei seine Empathie und die Ruhe, die er ausstrahlt, sagt Ute-Maria Bleicker.

Sterbende wollen Angehörige nicht belasten

Manche Patienten brauchen ein bisschen Smaltalk, manche ein intensives Gespräch. Dabei geht es meist um Themen, mit denen die Sterbenden ihre Familie nicht belasten wollen. Marcel Zettier versucht, den Patienten und Patientinnen das zu geben, was sie brauchen. Und bei diesen Gesprächen, sagt er, lernt er auch selbst viel. Meist gehe es um ungelöste Konflikte, Träume oder verpasste Chancen.

"Ich habe noch von niemandem gehört, dass er in seinem Leben zu wenig gearbeitet hätte."
Marcel Zettier, ehrenamtlicher Sterbebegleiter

Marcel Zettier sagt: Das kann man als Vertreter der Generation Y schon mal lernen, dass man sein Leben nicht allein auf die Arbeit hin ausrichtet. Darum hat er sich vorgenommen, ein Tiny House zu bauen und durch Deutschland und Europa zu touren - "ohne festes Ziel, ohne Zeitplan, einmal frei sein".