Die wenigsten Besucher des "City Hostels" in Berlin dürften wissen, dass sie mit ihrer Übernachtung indirekt auch das devisenhungrige Nordkorea unterstützen. Denn die Mieteinnahmen gehen direkt an Pjöngjang und seinen Diktator Kim Jong Un. Doch damit soll jetzt Schluss sein, hat das Rechercheteam von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung herausgefunden. 

Die nordkoreanische Botschaft in Berlin-Mitte ist ein ziemlich hässlicher Plattenbau aus DDR-Zeiten. Früher haben hier mal so um die hundert Leute gearbeitet - inzwischen sind es vielleicht noch zehn, so genau weiß man das nicht. 

Viel Platz in Top-Lage

Es gibt also viel Platz in dem mehrstöckigen Gebäude – und der wird inzwischen von einem Hostelbetreiber genutzt. Ab 17 Euro pro Nacht schlafen hier vor allem Low-Budget-Touristen und Schulklassen. Die Lage ist top: Potsdamer Platz, Brandenburger Tor und Checkpoint Charlie sind ganz in der Nähe.

"Eine verlässliche Quelle sagt: Das Hostel überweist 38.000 Euro Miete pro Monat an die nordkoreanische Botschaft."
Georg Mascolo, Koordinator der Recherche-Kooperation von NDR, WDR und SZ

Es sei eine Fixmiete, die nichts damit zu tun habe, wie gut das Hostel laufe. Es habe auch weitere Fälle in anderen Ländern gegeben, in denen Nordkorea seine Botschafts–Immobilien verpachte.

Der "Punkt 18"

Im vergangene Jahr, nach dem fünften Atombombentest Nordkoreas, habe sich der UNO-Sicherheitsrat in New York hingesetzt und nach Schlupflöchern gesucht, wie die Nordkoreaner versuchen, an Devisen zu kommen. Und man habe dann in die Uno-Sanktionen explizit einen "Punkt 18" hineingeschrieben, der besagt: Solche Immobilien-Geschäfte sind jetzt verboten.

"Gegen Nordkorea gibt es sehr lange und sehr harte Finanzsanktionen. Sie sollen verhindern, dass das Land an Devisen kommt, um damit wiederum das Massenvernichtungswaffen-Programm zu finanzieren."
Georg Mascolo, Koordinator der Recherche-Kooperation von NDR, WDR und SZ

Es gibt Stimmen, die sagen, man hätte das schon früher beenden können, sagt Mascolo. Man müsse unterscheiden zwischen illegalen und "statuswidrigen" Aktivitäten: Diplomaten dürfen in einem fremden Land nämlich nichts tun, wofür sie eigentlich nicht da sind. 

"Niemand ist als Diplomat in ein anderes Land geschickt worden, um dort ein Hostel zu betreiben."
Georg Mascolo, Koordinator der Recherche-Kooperation von NDR, WDR und SZ

Die Nordkoreaner hätten das aber vermutlich ignoriert, so Mascolo. Und man könne ja auch keinen Gerichtsvollzieher auf das Gelände schicken, es sei ja exterritorial. Die Lösung: Man verhängt Strafen gegen die Geschäftspartner Nordkoreas. 

​"Die Sanktionen werden - technisch gesehen - also nicht direkt gegen Nordkorea erhoben. Aber den Hostel-Betreibern wird untersagt, Geschäfte mit Nordkorea zu machen."
Georg Mascolo, Koordinator der Recherche-Kooperation von NDR, WDR und SZ

Wenn die sich nicht an die Untersagungen halten, werden Bußgelder verhängt.